Congress: Im Fokus: Menschen mit Demenz - Wenn Praxis und Forschung verbunden werden
Do, 18. April 2013, 10 – 18 Uhr, Neue Aula, Universität Heidelberg, 69117 Heidelberg

Das Graduiertenkolleg Demenz wurde im März 2010 am Netzwerk Alternsforschung an der Universität Heidelberg gegründet. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse und Prof. Dr.Dr. h.c. Konrad Beyreuther. Ziel ist es, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, der in der Lage ist, das heute noch bestehende Defizit in der Vermittlung demenzbezogener Inhalte zu schließen. Die Forschungsergebnisse sollen praxisrelevant sein und zur Theorieentwicklung sowie zur Verbesserung der Versorgungsqualität und –strukturen beitragen. Die Kollegiaten werden dabei für die Wissenschaft, Praxis und Lehre qualifiziert. Die Referenten des Kongresses sind Mitglieder des Graduiertenkollegs Demenz.
Programm
Eröffnung
10.00 Uhr
- Prof. Dr. Thomas Rausch - Prorektor für Forschung und Struktur der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
- Dr. Ingrid Wünning-Tschol - Bereichsdirektorin „Gesundheit und Wissenschaft“ der Robert Bosch Stiftung
- Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad Beyreuther - Direktor Netzwerk AlternsfoRschung der Universität Heidelberg, Wissenschaftlicher Leiter Graduiertenkolleg Demenz
- Prof. Dr. Andreas Kruse - Direktor Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg, Wissenschaftlicher Leiter Graduiertenkolleg Demenz
I. Menschen mit Demenz in der stationären Langzeitpflege
Einführung: Dipl.-Ing. (FH) Philipp Novotny, M.Sc., Photonik
10.30 Uhr Neues Wissen erfolgreich einführen: Hilfreiche und hinderliche Eigenschaften der Pflegeeinrichtung
Dipl.-Pflegew. (FH) Matthias Hoben, M.Sc. Pflegewiss.
Veränderungen und Neuerungen in Pflegeheimen zu implementieren ist ein komplexer, zu weiten Teilen unberechenbarer und schwer zu steuernder Prozess. Zahlreiche Faktoren beeinflussen den Erfolg oder Misserfolg. Von besonderer Bedeutung sind so genannte Organisationsmerkmale wie z.B. Führung, Miteinander im Team, Einrichtungskultur u.ä. Im Gegensatz zu persönlichen Eigenschaften von Individuen sind sie relativ gut beeinflussbar und sie wirken sich auf alle Individuen in der Institution aus. Damit stellen einen vielversprechenden Ansatzpunkt dar, Implementierungsprozesse erfolgreich zu beeinflussen.
11.00 Uhr „Den Menschen als Ganzes sehen“: Biografiearbeit aus Sicht der Pflegenden
Dipl.-Pflegew. (FH) Charlotte Berendonk
Biografiearbeit – in der Altenpflege in aller Munde und scheinbar seit langem umgesetzt. Sieht man genauer hin, zeigt sich jedoch, dass formale Aspekte wie Informationssammlung mittels eines Biografiebogens überwiegen. Welche Bedeutung die Informationen haben und wie sie kreativ im Pflegealltag genutzt werden könnten, wird selten systematisch reflektiert. Nicht einmal in der Theorie ist einheitlich beantwortet, was unter Biografiearbeit zu verstehen ist. Wenig ist darüber bekannt, was Pflegende darunter verstehen, wie sie diese mit Menschen mit Demenz umsetzen und wie sie ihr Entscheiden und Handeln begründen. Dies mittels Interviews in Pflegeheimen herauszufinden, ist Ziel dieses Projekts.
11.30 Uhr Palliative Care von Menschen mit Demenz: Erkennen, Deuten, Entscheiden in Ungewissheit
Dipl.-Geront., Dipl.-Pflegew. (FH) Esther Berkemer
Die palliative Praxis bei Menschen mit Demenz in der stationären Langzeitpflege stellt die in der Pflege und Betreuung tätigen Berufsgruppen, insbesondere Pflegende und Ärzte, vor große Herausforderungen. Das frühzeitige Erkennen und Interpretieren von Symptomen durch Pflegende und die erforderlichen Entscheidungsprozesse im Hinblick auf eine palliative Ausrichtung sind bedeutsam für die Anwendung eines professionellen Handlungsrepertoires und die Versorgungsqualität von Menschen mit Demenz. Es werden erste Ergebnisse aus einer Grounded Theory Studie zur Entscheidungsfindung hin zu einer palliativen Versorgung aus Sicht der professionell Pflegenden vorgestellt und diskutiert.
Fazit: Dipl.-Biol. Carsten Rupp
12.10 Uhr - 13.10 Uhr Mittagspause
II. Menschen mit Demenz in der eigenen Häuslichkeit
Einführung: Dipl.-Soz. Stephanie Schmidt, M.mel.
13.10 Uhr Ernährung: Herausforderung bei Demenz im häuslichen Umfeld
Gabrielle Sieber, M.Sc. Pflegewiss.
Eine der zentralen Aufgaben in der täglichen Betreuung von Menschen, die von einer Demenz betroffen sind, ist eine angemessene Ernährung in den verschiedenen Krankheitsstadien zu gewährleisten. Das Ringen um`s Essen ist auch ein Ringen um Genuss , um zwischenmenschliche Beziehung und letztlich um die Sorge, eine Mangelernährung zu verhindern oder eine Übertherapie zu vermeiden. In diesem Vortrag wird zum einen die Ernährungssituation von zu Hause lebenden Demenzkranken und deren pflegenden Angehörigen dargestellt. Zum anderen wird besprochen, welche Herausforderungen pflegende Angehörige während den gemeinsamen Mahlzeiten erleben.
13.40 Uhr Leben und Lieben mit Demenz: Schwierigkeiten und Möglichkeiten von Zweisamkeit bei Demenz
Dipl.-Päd. Florian Bödecker
Paare haben heute größere Chancen als je zuvor gemeinsam alt zu werden. Mit dem gemeinsamen Älterwerden steigt allerdings auch das Risiko, daß die Beziehung durch die Demenz eines Partners herausgefordert wird. Welche Probleme kommen auf beide Partner durch die Demenz zu? Wo gibt es auf der anderen Seite Möglichkeiten, Zweisamkeit weiter zu leben? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich in meinem Vortrag.
14.10 Uhr Migranten mit Demenz und kultursensible Pflege aus ethnologischer Perspektive
Daniela Manke, M.A. Ethnologie
Seit einigen Jahren werden Versorgungsangebote für pflegebedürftige ältere Migrantinnen und Migranten ohne und mit Demenz entwickelt. Welche Angebotsformen gibt es und welche Annahmen liegen diesen zugrunde? Inwiefern werden sie von Betroffenen eingefordert und genutzt? Der Vortrag beleuchtet Konzepte wie kultursensible Pflege und Kulturkompetenz. Es wird die Frage aufgeworfen, ob ein „kultureller Blick“ auf das Thema Demenz und Migration notwendig ist.
Fazit: Andrea Germann, M.A. Psycholinguistik, Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie, Universität Heidelberg
14.50 Uhr - 15.20 Uhr Kaffeepause
III. Demenz und Alltagsbewältigung
Einführung: Dipl.-Geront. Stefan Wesselmann
15.20 Uhr Der Umgang mit Technik im Alter: welche Rolle spielen kognitive Fähigkeiten?
Dipl.-Psych. Laura I. Schmidt
Anhand einer Stichprobe von älteren Menschen mit und ohne kognitive Beeinträchtigung werden Faktoren für erfolgreichen Technikumgang untersucht: Welchen Einfluss haben kognitive Fähigkeiten wie das räumliche Vorstellungsvermögen oder das Kurzzeitgedächtnis auf erfolgreiche Techniknutzung? Welche Rolle spielen Technikerfahrung, Bildungshintergrund, Einstellungen gegenüber Technik oder psychologische Faktoren wie Selbstwirksamkeit (Einschätzung der eigenen Kompetenz, mit Schwierigkeiten zurechtzukommen)?
15.50 Uhr Innovative Verfahren zur Erfassung der Alltagskompetenz bei älteren Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen
Dipl.-Psych. Katrin Jekel
Kommt eine Person ohne Hilfe im Alltag zurecht? Kann sie ihre finanziellen Angelegenheiten selbstständig regeln? Kann sie sich alleine versorgen? Diese Einschätzung der Alltagskompetenz ist - neben der Beurteilung der geistigen Leistungsfähigkeit - ein wichtiges Kriterium für die Diagnose von demenziellen Erkrankungen. Der Vortrag gibt einen Überblick über traditionelle und neuere Verfahren zur Erfassung von Alltagskompetenz bei älteren Menschen. Aktuelle Ergebnisse aus eigenen Forschungsprojekten werden berichtet.
16.20 Uhr Training bei Demenz
Nele Christin Lemke, M.A. Sportwiss.
Ein Bewegungsmangel im Alter ist nicht folgenlos: Die körperlichen Funktionen, die Schlüsselqualifikationen für die Aktivitäten des täglichen Lebens sind, werden schneller abgebaut und es droht der Verlust eines selbstständigen Lebens. Zudem kann der Mangel an Bewegung sowohl Ursache für Stürze als auch Symptom einer demenziellen Erkrankung sein. Der Vortrag stellt den Hintergrund zur Trainierbarkeit im Alter dar (Welche funktionellen Verluste treten im Alter auf? Wie kommt es zu Sturzereignissen? Wieso ist körperliches Training im Alter und gerade bei Demenz so wichtig? Was und wie wird trainiert?) und zeigt Übungen zum Erhalt der Alltagsmobilität bzw. zur Sturzprävention. Ziel ist es einen theoretischen Hintergrund für das Thema „Training im Alter und bei demenzieller Erkrankung“ zu vermitteln und den Zuhörern einfache, aber wirkungsvolle Übungen an die Hand zu geben, die größtenteils auch in den Alltag älterer Menschen eingebaut werden können. Ein Training der körperlichen Leistung ist in jedem Alter möglich und wirkungsvoll!
Fazit: Dr. Katrin Claßen, Abteilung für Psychologische Alternsforschung, Universität Heidelberg
16.50 Uhr - 17.20 Uhr Umtrunk
IV. Ausklang
17.20 Uhr
- Konrad Beyreuther und Andreas Kruse im Gespräch mit Regisseur David Sieveking („Vergiss mein nicht“)
Kino Gloria, Hauptstr. 146, 69117 Heidelberg
19.30 Uhr (Eintritt 7€)
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Filmvorführung „Vergiss mein nicht“
Dokumentarfilm, D 2012, 88 Min.
Zusatztermin: Mi. 17. April, 14.30 Uhr, im Anschluss Diskussion mit Prof. Dr. Konrad Beyreuther
Kartenreservierung für Filmvorführung "Vergiss mein nicht" im GLORIA: 06221 - 25 319 oder 40 982 (Eintritt: 7€)
Tagungsort
Neue Aula, der Universität Heidelberg, am Universitätsplatz
Link zur Lagekarte der neuen Universität und neuen Aula
Link zur Anreise und Wegbeschreibung (Altstadt / Universitätsplatz)
Kontakt
Netzwerk AlternsfoRschung
Bergheimer Str. 20
69115 Heidelberg
Sekr.: Heike Lovelock
Tel: 06221 / 54 81 01
Teilnahmegebühren für den Kongress werden nicht erhoben. Verpflegung für die Mittags- und Kaffeepause wird gestellt.
Wir bitten Sie, sich vor dem Eintritt in die Neue Aula im Tagungsbüro anzumelden. Dieses ist am 18. April 2013 ab 9 Uhr geöffnet.
