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NAR-Seminar: Technik im Alter

Do, 31. Januar 2013, 17.00 - 19.00 Uhr, Neue Aula, Neue Universität

Thema: Technik im Alter

Classen

  

Dr. Katrin Claßen
Psychologische Alternsforschung, Psychologisches Institut, Universität Heidelberg

Die Rolle von Technik im Alter [Video], [Folien]

 

 

 

 

 

In annähernd allen Bereichen des Alltags spielt Technik heutzutage eine Rolle; sei es beispielsweise der Fernseher zur Anregung oder der automatische Rollladen für Bequemlichkeit und Sicherheit. Zunehmend rücken auch ältere Menschen als potenzielle Techniknutzer in den Vordergrund und es gibt Bemühungen, Technik speziell für diese Zielgruppe zu entwickeln. Doch was genau ist unter Technik zu verstehen? Stimmt es, dass ältere Menschen Technik gegenüber generell negativ eingestellt sind? Und welche Technik wird von Älteren überhaupt genutzt? Auf diese Fragen sowie auf die Rolle von Geschlecht und Generation bei der Technikakzeptanz wird im Vortrag eingegangen werden. 

 

 

Barbara Klein

 

Prof. Dr. Barbara Klein
Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit, Fachhochschule Frankfurt am Main - University of Applied Sciences

Chancen und Risiken von emotionaler und sozialer Robotik in der Altenhilfe [Video], [Folien]

 

 

 

 

Welchen Beitrag können Roboter heute schon in der Altenhilfe leisten? Was versteht man unter emotionaler und sozialer Robotik? Der Beitrag gibt einen Überblick über die aktuellen technischen Entwicklungen in der Robotik. Im Anschluss werden Ergebnisse aus Lehrforschungsprojekten im Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit an der Fachhochschule Frankfurt am Main mit der therapeutischen Robbe PARO, dem Spielzeugdinosaurier PLEO und dem Telepräsenzroboter GIRAFF vorgestellt. Trotz überwiegend positiver Rückmeldungen aus der Praxis der Altenhilfe geht es darum, neben den Chancen auch mögliche Risiken aufzuzeigen und neue Anwendungsfelder, wie z.B. die Robotertherapie zu beleuchten.

 

 

Schmidt Laura

 

Dipl.-Psych. Laura Schmidt
Graduiertenkolleg Demenz, Netzwerk AlternsfoRschung, Universität Heidelberg

Handy, Blutdruckmessgerät und E-Book-Reader: Welche Rolle spielen kognitive Faktoren bei der Technikhandhabung im Alter? [Video], [Folien]

 

 

 

Im Zuge des demografischen Wandels und fortschreitender Technisierung werden technische Möglichkeiten zur Unterstützung älterer Menschen verstärkt diskutiert. Jedoch schließen entsprechende Studien Menschen im höheren Erwachsenenalter meist aus. Besonders bei z. B. nachlassender Merkfähigkeit könnte benutzerfreundliche Technik vielfältige Alltagsaktivitäten erleichtern und zur Lebensqualität beitragen. Andererseits können ungünstiges Design oder komplizierte Handhabung auch Hindernisse darstellen. Im Vortrag wird am Beispiel dreier Geräte der Umgang mit Technik diskutiert. Berichtet werden erste Ergebnisse eines Promotionsprojekts am NAR, das Faktoren für erfolgreichen Technikumgang untersucht: Welchen Einfluss haben kognitive Fähigkeiten wie das räumliche Vorstellungsvermögen oder das Kurzzeitgedächtnis auf erfolgreiche Techniknutzung? Welche Rolle spielen Technikerfahrung, Bildungshintergrund, Einstellungen gegenüber Technik oder psychologische Faktoren wie Selbstwirksamkeit (Einschätzung der eigenen Kompetenzen, mit Schwierigkeiten zurechtzukommen)?

 

 

Birgit Kramer

 

Dipl.-Volksw. Birgit Kramer
NAR-Kolleg, Netzwerk AlternsfoRschung, Universität Heidelberg

Der Einsatz neuer Technologien bei der Pflege von Menschen mit Demenz [Video], [Folien]

 

 

 

In Deutschland leiden derzeit etwa 1,4 Millionen Menschen an einer Demenz. Dabei werden ca. 70 Prozent der Betroffenen zu Hause betreut, was für die pflegenden Angehörigen oft eine enorme Belastung darstellt. Eingebettet in ein individuelles Pflegekon­zept kann der Einsatz neuer Technologien pflegende Angehörige bei der Betreuung und Pflege entlasten. Gleichzeitig können technische Assistenzsysteme Menschen mit Demenz helfen, möglichst lange und selbstbestimmt zu Hause zu leben. Im Vortrag werden neue Technologien vorgestellt und diskutiert. Darüber hinaus werden erste Forschungsergebnisse der Studie „Die Akzeptanz neuer Technologien bei pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz“ präsentiert.

 

 

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Interviews zum NAR-Seminar

 

Interview mit Katrin Claßen, Laura I. Schmidt und Birgit Kramer - durchgeführt von Dipl.-Psych. Katrin Jekel (GK Demenz, NAR)

 

Frau Claßen, Sie beschäftigen sich mit der Rolle von Technik im Alter. Welche Bedeutung hat Technik denn für ältere Menschen?

KC: Die Bedeutung von Technik für ältere Menschen kann – wie auch für jüngere Menschen – sehr unterschiedlich sein. Oftmals wird das Potenzial von Technik im Alter in der Erleichterung des Alltags oder der Kompensation von alterskorrelierten Funktionseinbußen gesehen, was bspw. an Hörgeräte, Prothesen oder Erinnerungssysteme denken lässt. Doch Technik kann auch zur Prävention eingesetzt werden (z. B. Gehirnjogging am Computer) sowie zur Unterstützung oder Ermöglichung der Ausführung von Aktivitäten oder Rollen (z. B. Kommunikation und Informationssuche mit Hilfe des Internets, automatisches Abschalten elektronischer Geräte). Beim Thema Technik im Alter ist aber nicht nur an die ältere Person an sich zu denken, sondern auch an informelle und professionelle Hilfs- und Pflegepersonen. Auch ihre Tätigkeit kann durch den Einsatz von Technik, wie bspw. Hausnotrufsysteme, Sensormatten oder EDV-gestützte Pflegedokumentationssysteme unterstützt werden. Man muss jedoch bedenken, dass die bloße Existenz von Technik noch lange nicht bedeutet, dass diese auch genutzt wird. Damit das Potenzial von Technik auch tatsächlich ausgeschöpft wird, gilt es weitere Faktoren zu beachten.

 

Älteren Menschen wird oftmals nachgesagt, sie lehnen neuere technische Geräte generell ab. Stimmt das?

KC: Nein, generell lässt sich diese Aussage so nicht bestätigen. Forschungsarbeiten zeigen vielmehr, dass Ältere Technik gegenüber durchaus positiv eingestellt sind und dass ihre Einstellung weitaus komplexer ist, als es das gängige Vorurteil, Ältere seien technikfeindlich, vermuten lässt. Wie bei Jüngeren gibt es auch unter den Älteren auf der einen Seite Personen, die ein technisches Gerät direkt nach dessen Markteinführung erwerben und nutzen wollen, auf der anderen Seite aber auch solche, die sehr lange warten, bis sie sich ein Gerät anschaffen. Die Innovationsfreudigkeit nimmt jedoch sowohl bei Jüngeren als auch bei Älteren zu, auch wenn Ältere tendenziell etwas länger mit der Technikanschaffung warten. Insbesondere im Alter ist es für die Technikakzeptanz und -nutzung wesentlich, dass in der Technik ein persönlicher Nutzen gesehen wird und dass der Nutzen - wie bspw. neue Kommunikationsmöglichkeiten oder die Aufrechterhaltung des Lebens in den eigenen vier Wänden - die Kosten, wie bspw. notwendiges Training, überwiegen.

 

Frau Schmidt, Sie referieren über Technikhandhabung im Alter: Welche Eigenschaften muss ein Handy bzw. ein Blutdruckmessgerät haben, um für Ältere leicht handhabbar zu sein?

LS: Zum einen treten im höheren Alter vermehrt Veränderung des Seh- und Hörvermögens auf, wie z. B. eine Abnahme der Sehschärfe und der Kontrastempfindlichkeit sowie der Fähigkeit, niedrigschwellige Töne oder geringe Frequenzunterschiede zu erkennen. Deshalb sollte in solchen Fällen darauf geachtet werden, dass die Geräte eine entsprechend angepasste Anzeige haben und auch akustisch deutlich wahrnehmbare Rückmeldungen geben. Der heutige Trend zur Miniaturisierung mit teilweise sehr kleinen Bedienelementen ist dabei nicht hilfreich, aber das Design sollte für eine höhere Akzeptanz eine Altersstigmatisierung vermieden und möglichst unauffällig sein.

Es gibt aber weitere Faktoren für den Umgang mit Technik, die individuell sehr unterschiedlich sein können. Eine wichtige Rolle spielt die Erfahrung, die ein Mensch in jüngeren Jahren mit Technik gemacht hat und die dann prägend ist für seinen späteren Umgang mit Technik. Einer Generation, die eher Erfahrungen mit mechanischer Technik gemacht hat, fällt möglicherweise die Umstellung auf digitale Geräte schwerer, bei denen eine Schaltfläche oft mehrere Funktionen hat und das Ergebnis nicht mehr klar nachvollziehbar ist. Hierauf gehen bereits einige Hersteller mit einer Reduzierung solcher Doppelfunktionen ein. Der ältere Nutzer und das jeweilige Gerät müssen zueinander passen, es gibt nicht unbedingt DAS „altersgerechte“ Handy, das für alle gut ist. Genau wie jüngere unterscheiden sich ältere Menschen stark in ihren Vorlieben, Einstellungen gegenüber Technik, Kompetenzen und Erfahrungen und sollten beim Technikkauf selbst auswählen und mit einbezogen werden. Das Ausprobieren der Technik reduziert auf jeden Fall eine mögliche Ängstlichkeit im Technikumgang und erhöht die sogenannte Selbstwirksamkeit, d. h. die Überzeugung, aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich ausführen zu können.

 

Sie sprechen auch über den Einfluss kognitiver Faktoren. Welche Rolle spielen diese?

LS: Verschiedene Studien belegen, dass eine Verschlechterung von Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit und räumlichen Fähigkeiten das erfolgreiche Navigieren in hierarchischen Menüs beeinflusst. Muss man zum Beispiel bei einem Handy durch mehrere Ebenen navigieren, um an das Telefonbuch zu kommen, kann das für Menschen mit Einbußen in diesem Bereich des räumlichen Vorstellungsvermögens eine Überforderung darstellen. Bei Menschen, die Informationen nicht mehr so schnell verarbeiten können, kann es wiederum passieren, dass beispielsweise der Fahrkarten- oder Geldautomat wieder auf den Ausgangsbildschirm springt, oder dass bei der Bedienung des Handys die Tastensperre aktiviert wird, weil längere Zeit keine Eingabe erfolgte. Es gibt inzwischen Belege, dass Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Demenz Technik als schwieriger zu nutzen wahrnehmen, aber bisher existieren nur sehr wenige Studien, die diese Personengruppe als aktive Techniknutzer einbeziehen. Hier besteht also großer Forschungsbedarf!

 

Frau Kramer, ihr Thema sind neue Technologien, die bei der Pflege von Menschen mit Demenz eingesetzt werden. Um welche Technologien handelt es sich dabei?

BK: Es gibt mittlerweile sehr viele neue Technologien, die bei der Pflege von Menschen mit Demenz eingesetzt werden können. Da sind auf der einen Seite Technologien, bei denen Sicherheitsaspekte im Vordergrund stehen, wie beispielsweise ein Ortungssystem für Demenzkranke mit Weglauftendenz. Auch lässt sich die eigene Wohnung mit Sensoren ausstatten, die bei möglicher Gefahr selbständig einen Alarm auslösen und Hilfe holen können – ein modernes Hausnotrufsystem. Auf der anderen Seite gibt es Kommunikations- und Informationstechnologien, die die soziale Teilhabe des Menschen mit Demenz und des pflegenden Angehörigen fördern und individuelle Informationen zugänglich machen können. Ein weiterer Bereich ist die Robotik. Hier wird momentan an Pflegerobotern geforscht, die einfache Dienstleistungen zu Hause erledigen und auch der Anregung dienen sollen. Paro, eine Stofftier-Robbe, die mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet ist, gehört auch in diesen Bereich. Paro soll Menschen mit Demenz auf einer emotionalen Ebene erreichen.
Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt möglicher neuer Technologien. Ob der jeweilige Einsatz sinnvoll ist, kann nur im konkreten Fall entschieden werden und hängt dabei von vielen Faktoren ab (z. B. Technikerfahrung und allgemeine Einstellung zur Technik, räumliche Gegebenheiten, finanzielle Möglichkeiten, konkrete Pflegesituation).

 

Welche Chancen aber auch welche Risiken sehen Sie durch den Einsatz von Technik in der Pflege?

BK: Pflegende Angehörige sind durch die Pflege einer enormen Belastung ausgesetzt. Zahlreiche Studien belegen, dass pflegende Angehörige allgemein ein erhöhtes Risiko haben, unter der Belastung an Stress, Depression und anderen psychischen Gesundheitsstörungen zu leiden. Die belastende Pflegesituation kann sogar dazu führen, dass Angehörige einem  höheren Risiko für Frühsterblichkeit ausgesetzt sind.
Neue Technologien sind sicher kein Allheilmittel, welche für sich alleine stehen, sondern müssen vielmehr in ein individuelles Pflegekonzept eingebunden werden. Dann können technische Neuerungen auf der einen Seite pflegende Angehörige, Freunde und professionelle Pflegekräfte von Menschen mit Demenz bei der Betreuung und Pflege entlasten. Auf der anderen Seite helfen technische Assistenzsysteme Demenzkranken, möglichst lange und selbstbestimmt in ihrem eigenen Zuhause zu leben.
Natürlich birgt der Einsatz von Technik auch immer Risiken. Diese können sehr unterschiedlicher Natur sein. Die Kritik am Einsatz von Technik in der Pflege reicht von ethischen Bedenken, Datensicherheit bis hin zur Angst durch Technik menschlichen Kontakt und Fürsorge zu reduzieren. Sorgfältig geplant und an die jeweilige Pflegesituation sinnvoll angepasst, lassen sich diese Risiken aber minimieren. Letztendlich muss jeder einzelne für sich die Chancen und Risiken abwägen und sich dann für oder gegen einen Einsatz von Technik entscheiden.

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 04.02.2014
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