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38. NAR-Seminar I Gewinne und Verluste im Alter

09. November 2017, 17-19 Uhr, Universität Heidelberg

 

Prof. Dr. Jürgen M. Bauer I Agaplesion Bethanien Krankenhaus,
Heidelberg Lehrstuhl für Geriatrie, Universität Heidelberg

Altern als Krankheit?
Wäre die Menschheit nicht wesentlich glücklicher, wenn man das Altern als Krankheit betrachten und es mit einem Medikament erfolgreich behandeln könnte? Tatsächlich entwickelt sich aktuell in der Wissenschaft eine neue Sichtweise auf diese Fragestellung. So haben die National Institutes of Health (NIH) 2017 erstmalig eine Studie ausgeschrieben, durch welche die Wirkung eines Medikamentes auf Alterungsvorgänge sowie die mit ihnen verbundenen Erkrankungen (u.a. Morbus Alzheimer, Herz-Kreislauf- und Tumorerkankungen) untersucht werden soll. Das zugrundeliegende Studienkonzept basiert auf der Annahme, dass die erwähnten Erkrankungen zumindest in Teilen gemeinsame Entstehungsmechanismen aufweisen. Bei der zu untersuchenden Substanz handelt es sich um Metformin, eine Substanz, die seit vielen Jahren aus der Behandlung des Diabetes mellitus bekannt ist. Die Ergebnisse der TAME-Studie werden für die Weiterentwicklung dieses Forschungsansatzes entscheidend sein. Grundsätzlich ist festzustellen, dass eine eindeutige Trennung zwischen Alterungsprozessen und Erkrankungen oftmals nicht möglich ist. In vielen Fällen ist es die Ausprägung der Organalterung, welche letztendlich zu einem Krankheitsbild führt. Beispielhaft sei auf die Sarkopenie, den übermäßigen Schwund von Muskelmasse und Muskelkraft, verwiesen. Ähnlich verhält es sich auch bei der Gefäßalterung. In diesem Zusammenhang ist das Konzept einer Schwelle (Threshold) von Bedeutung, bei deren Überschreiten der Übergang von der „reinen“ Alterung zur Krankheit vollzogen wird. Auf die Frage, ob das Altern nun eine Krankheit darstellt, kann somit nicht mit einem eindeutigen Ja geantwortet werden. Sie sollte vielmehr als Ausgangpunkt für die Erforschung neuer präventiver Ansätze verstanden werden, die dem Erhalt von Selbständigkeit und Lebensqualität im Alter dienen.

 

 

Prof. Dr. Hans-Werner Wahl I Netzwerk AlternsfoRschung, Universität Heidelberg

Altern als Chance?
Wir werden heute später, länger und anders alt als frühere Generationen. Aber in unseren Köpfen ist diese Veränderung bisher nicht angekommen. Noch immer herrschen viele negative und nicht mehr gültige Vorstellungen vom Alt-werden und Alt-sein vor. In diesem Vortrag sollen diese Bilder des Älterwerdens korrigiert und die vielleicht komplexeste Phase unseres Lebens aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden: Welche sind die Herausforderungen des höheren Alters heute? Wie muss sich unser Verständnis vom Altern zukünftig ändern? Wie können wir uns ganz individuell gut auf das Altern vorbereiten? Dies alles wird aufgezeigt anhand der aktuellsten Forschungsergebnisse vor allem aus der Alternspsychologie, die zu einem neuen und stark differenzierenden Bild vom Älterwerden führen. Dieses hat überraschend viele positive Facetten, was die Anpassungsfähigkeit, Ausgeglichenheit und seelische Gesundheit von älteren Menschen betrifft. Dennoch stellt uns Altern, vor allem das sehr hohe Alter, vor völlig neue Herausforderungen und schwierige Aufgaben. Altern ist heute beides: Gewinn und Verlust. Lassen sich, so wird am Ende des Beitrags gefragt, beide Aspekte auf einem Weg hin zu erfolgreichem Altern aussöhnen bzw. miteinander in eine Harmonie bringen?

 

 

Moderation Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad Beyreuther I Netzwerk AlternsfoRschung, Universität Heidelberg

Podiumsdiskussion 

 

 

 

 

 

 

 

 

Moderation I Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad Beyreuther

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 23.11.2018
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