NAR-Projekte

Projekt: KI-gestützte Sprachassistenz für ältere Menschen mit und ohne Behinderung: Alltagsvalide Messung unter Einbezug automatisierter Emotions- und Spracherkennung

Das Projekt „KI-gestützte Sprachassistenz für ältere Menschen mit und ohne Behinderung: Alltagsvalide Messung unter Einbezug automatisierter Emotions- und Spracherkennung“ untersucht, wie ältere Menschen mit KI-basierten Systemen zur Sprachassistenz, wie z. B. Amazon Alexa, umgehen, wie die Nutzung emotional erlebt wird und welche Chancen und Herausforderungen dadurch für die Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe entstehen. Dabei werden ältere Menschen mit und ältere Menschen ohne kognitive Behinderung betrachtet.

Drei neuartige Besonderheiten zeichnen das Projekt aus:

  • Erstens wird der Umgang mit KI-basierten Sprachassistenten direkt im Lebensalltag älterer Menschen „ökologisch valide“ untersucht. Trotz der wachsenden Forschung zur Rolle der „End-User“ im Kontext von Alter & Technik, gibt es hierzu bislang kaum fokussierte Untersuchungen.
  • Zweitens kommt mit der automatisierten Emotions- und Spracherkennungskomponente eine zukunftsweisende Technologie zum Einsatz.
  • Drittens haben ältere Menschen mit Behinderung im Bereich Alter & Technik bislang kaum Forschungsaufmerksamkeit gefunden, obwohl gerade in dieser Gruppe besondere Potenziale und Herausforderungen durch KI-basierte Systeme zu erwarten sind.

Methodisches Kernstück des Projekts sind vierwöchige Feldstudien, in denen ältere Menschen ein kostenlos zur Verfügung gestelltes KI-basiertes System zur Sprachassistenz im Alltag nutzen und ihre Erfahrungen sprachbasiert in einer Tagebuch-App festhalten. Um die Nutzung und deren Implikationen vertiefend und mehrdimensional zu untersuchen, werden die Sprache und Emotionen bei der Nutzung automatisiert aufgezeichnet und analysiert. Zur Vorbereitung der Feldstudie werden in einem ersten Projektabschnitt nutzerzentrierte Rahmenbedingungen und mögliche Anwendungsfelder von KI-basierten Sprachassistenten gemeinsam mit der Zielgruppe partizipativ erarbeitet („Listen to the End-User“).

Es wird erwartet, dass das Projekt anhand neuester KI-gestützter Alltags-Tools deren Mehrwert, z. B. zur Steigerung von Lebensqualität und Teilhabe, in differenzierter Weise für ältere Menschen mit und ohne Behinderung abschätzen hilft und zu entsprechenden Empfehlungen gelangen wird.

Förderung

Das Projekt wird für drei Jahre von der Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen des Forschungsprogramms "Verantwortliche Künstliche Intelligenz" gefördert.

https://www.ph-heidelberg.de/ki-alter/ueber-das-projekt.html

 

 

SchlomannDr. Anna Schlomann (Soziologie)
Netzwerk AlternsfoRschung

Bergheimer Straße 20
69115 Heidelberg

Tel: +49 (0)6221 54 81 09
schlomann(at)nar.uni-heidelberg.de

 

 

Aktuelles Forschungsprojekt

Wissenschaftliche Mitarbeiterin als Post-Doc im Projekt HeiAge: Assistenzsysteme und digitale Technologien zur Verbesserung der Mobilität im Alter (https://orb.iwr.uni-heidelberg.de/heiage/)

Digitale Technologie und intelligente Assistenzsysteme können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Lebensqualität von Menschen im Alter zu erhalten bzw. zu steigern. Insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist es notwendig, die Digitalisierung auch für die Gruppe der älteren und alten Menschen nutzbar zu machen. Ziel dieses Projektes ist es, neue Technologien und intelligente Assistenzsysteme, die auf die speziellen Bedürfnisse der älteren Bevölkerung zugeschnitten sind, zu entwickeln. Der Fokus liegt vor allem auf dem Erhalt bzw. der Wiederherstellung von Mobilität im Alltag.

Dieses Projekt adressiert nicht nur Menschen mit sehr eingeschränkter Mobilität, wie dies häufig der Fall ist, sondern wir streben an, maßgeschneiderte technische Lösungen für verschiedene physische Mobilitätsgrade (oder „frailty levels“) zu entwickeln. Diese adressieren an einem Ende des Spektrums Menschen, die noch sehr beweglich sind, aber ihre bevorzugte Sportart aufgrund von geringerer Einschränkungen an einem oder mehreren Gelenken nicht mehr ausüben können, auf der anderen Seite Menschen, die auch einfache Alltagsbewegungen nicht mehr ohne Assistenz ausführen können und hochgradig sturzgefährdet sind.

 

Forschungsschwerpunkte

  • Digitalisierung im Kontext alternder Bevölkerungen
  • Einstellungen älterer Menschen gegenüber digitalen Alltagstechnologien

 

Kurzlebenslauf

seit 10/2019 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Netzwerk AlternsfoRschung (NAR), Universität Heidelberg
seit 10/2019 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft, Pädagogische Hochschule Heidelberg
2017-2019 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Rehabilitationswissenschaftliche Gerontologie, Humanwissenschaftliche Fakultät, Universität zu Köln
2014 -2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Forschungsmethoden in der Rehabilitation, Humanwissenschaftliche Fakultät, Universität zu Köln
2015 - 2018 Promotionsstudium im NRW Forschungskolleg GROW „Gerontological Research on Well-Being“, Universität zu Köln
2011-2014 Masterstudium Soziologie und Empirische Sozialforschung, Universität zu Köln
2008 - 2011 Bachelorstudium Sozialwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Publikationen
Zeitschriftenbeiträge (Peer-reviewed)

  • Schlomann, A., Seifert, A., Zank, S., & Rietz, C. (2020). Assistive Technology and Mobile ICT Usage among Oldest-Old Cohorts: Comparison of the Oldest-Old in Private Homes and in Full-Stationary Care. Research on Aging, 42(5-6), 163-173. doi: 10.1177/0164027520911286 (in print).
  • Schlomann, A. (2020). Digitale Technologien in der Altenpflege: Aktueller Technikeinsatz, Technikakzeptanz und Wünsche für digitale Unterstützung aus der Perspektive von professionell Pflegenden. Pflegewissenschaft 2-2020, 119-129. doi: 10.3936/1747.
  • Schlomann, A., Schacke, C., Leipold, B., & Zank, S. (2020). Berlin Inventory of Caregiver Stress – Dementia (BICS-D). The Gerontologist. doi: 10.1093/geront/gnz195
  • Schlomann, A., Seifert, A., Zank, S., Woopen, C., & Rietz, C. (2020). Use of ICT Devices among the Oldest-Old: Loneliness, Anomie, and Autonomy. Innovation in Aging, 4(2). doi: 10.1093/geroni/igz050.
  • Seifert, A., Reinwand, D. A., & Schlomann, A. (2019). Designing and using digital mental health interventions for older adults: Being aware of digital inequality. Frontiers in Psychiatry, 10, 568, doi: 10.3389/fpsyt.2019.00568
  • Schlomann, A., Seifert, A., & Rietz, C. (2019). Relevance of Activity Tracking With Mobile Devices in the Relationship Between Physical Activity Levels and Satisfaction With Physical Fitness in Older Adults: Representative Survey. JMIR Aging, 2(1): e12303, doi: 10.2196/12303
  • Groebe, B., Strupp, J., Eisenmann, Y., Schmidt, H., Schlomann, A., Rietz, C., & Voltz, R. (2018). Measuring attitudes towards the dying process: A systematic review of tools. Palliative Medicine, 32(4), 815–837, doi: 10.1177/0269216317748889.
  • von Storch, K., Schlomann, A., Rietz, C., Polidori, M.C., & Woopen, C. (2018). Wearables zur Unterstützung des Selbstmanagements von älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen. Eine qualitative Studie aus der Perspektive von Patienten und Ärzten. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 51(7), 791-798, doi: 10.1007/s00391-017-1323-2.
  • Schlomann, A. (2017). A case study on older adults‘ long-term use of an activity tracker. Gerontechnology, 16(2), 115-124, doi:10.4017/gt.2017.16.2.007.00.
  • Seifert, A., Schlomann, A., Rietz, C., & Schelling, H. R. (2017). The use of mobile devices for physical activity tracking in older adults’ everyday life. Digital Health, 3, 1-12, doi: 10.1177/2055207617740088.
  • Rasche, P.*, Schlomann, A.*, & Mertens, A. (2017). Who Is Still Playing Pokémon Go? A Web-Based Survey. JMIR Serious Games, 5(2): e7. doi:10.2196/games.7197. (*gleichwertiger Beitrag).
  • Schlomann, A., Storch, K. von, Rasche, P., & Rietz, C. (2016). Means of Motivation or of Stress? The Use of Fitness Trackers for Self-Monitoring by Older Adults. HeilberufeScience, 7(3), 111-116,  doi:10.1007/s16024-016-0275-6

 

Publikationen
Zeitschriftenbeiträge (Nicht peer-reviewed)

  • Seifert, A. & Schlomann, A. (2017). Gesundheitsthemen im Internet suchen – etwas für ältere Menschen? NOVAcura, 4, 39-41.
  • Schlomann, A. & von Storch K. (2016). Moderne Technik für die Krankheitsprävention. Pro Alter, 04/2016, 27-30.
  • Schlomann, A. (2016). Selbstbestimmung im Internet – Können wir entscheiden, was mit unseren Daten passiert? BAGSO-Nachrichten, 03/2016, 38.
  • Hartmann, P.H. & Schlomann, A. (2015). MNT 2015: Weiterentwicklung der MedienNutzerTypologie. Media Perspektiven, 11, 497-504.

 

Buchbeiträge

  • Schlomann, A. & Rietz, C. (2019): Erhebung von Daten in der älteren Bevölkerung. In: K. Hank, F. Schulz-Nieswandt, M. Wagner, & S. Zank (Hrsg.): Alternsforschung. Handbuch für Wissenschaft und Praxis, S. 663-688. Baden-Baden: Nomos-Verlag.
  • Schlomann, A., Rasche, P., Seifert, A., Schäfer, K., Wille, M., Bröhl, C., Theis, S., & Mertens, A. (2019). Augmented Reality Games for Health Promotion in Old Age. In: V. Geroimenko (Hrsg.): Augmented Reality Games II: The Gamification of Education, Medicine and Art, S. 159-177. Cham: Springer International Publishing. doi: 10.1007/978-3-030-15620-6_7
  • Rasche, P., Schlomann, A., Schäfer, K., Wille, M., Bröhl, C., Theis, S., Mertens, A. (2018). Pokémon Go – an Empirical User Experience Study. In: T. Ahram & C. Falcão (Hrsg.) Advances in Human Factors in Wearable Technologies and Game Design. AHFE 2017. Advances in Intelligent Systems and Computing, Vol. 608, S. 179-185. Cham: Springer International Publishing. doi: 10.1007/978-3-319-60639-2_18.

 

Monographien

  • Schlomann, A. (2018). Older adults' preferences towards using digital technologies: usage patterns, facilitators and barriers for long-term use, potential for gerontological research, Rahmentext zur Dissertation, Köln. Online abrufbar unter: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/8444
  • Mertz, M.*, Jannes, M.*, Schlomann, A.*, Manderscheid, E., Rietz, C. ᶧ, & Woopen, C. ᶧ (2016). Digitale Selbstbestimmung. Cologne center for ethics, rights, economics, and social sciences of health (ceres), Köln, doi:10.18716/ceres/00001. (* gleichwertiger Beitrag; ᶧ Projektleitung).

 

Veröffentlichungen

 

 

 

 

 

NAR-Projekt "Narration und Alzheimer Demenz"

 

Nemes Gaspar

 

Gaspar Nemes (Projektleitung)

 

 

 

 

 

In der Forschung zur sozialen Kognition ist der Zusammenhang zwischen Mentalisierung und narrativer Kompetenz seit längerem bekannt. Erzählungen gelten ja in vielen heutigen sozial-kognitionsneurowissenschaftlichen sowie narrativ-, kultur- und entwicklungspsychologischen Theorien als Speicher von Wissens-, Kommunikations- und Sozialverhaltensmustern, als Gesellschaftssimulatoren, Trainingsräume der sozial-kognitiven Praktiken. Geschichten verbinden und vernetzen Menschen und ihre Gehirne als Beziehungsorgane in einem gemeinsamen, narrativ kodierten Bedeutungsraum und erfüllen auch die basale Funktion der neuronalen Organisation und Integration motorischer, affektiver, kognitiver und sozialer modularer Netzwerke und Systeme in bzw. zwischen/unter den Gehirnen. Um Narrative konstruieren und verstehen, die mental-kognitiven, emotionalen, räumlichen, zeitlichen etc. Ebenen der erzählten Welten wahrnehmen, sich auf eine mentale Zeitreise begeben und in die narrative(n) Perspektive(n) und Logik einer Geschichte hineinversetzen zu können, muss das gesunde Gehirn über eine sehr hoch entwickelte und perfekt funktionierende Narrativ- und Mentalisierungskompetenz verfügen. Nur so kann der gesunde Mensch ein mit seiner bio-psycho-sozio-kulturellen Umgebung kompatibles Identitäts/Selfbild entwickeln und sich dadurch in seiner narrativ kodierten Welt zurechtfinden. Das gesunde Gehirn ist also zugleich ein einwandfrei funktionierendes narratives Gehirn

Die Defizite der sozialen Kognition sind bei vielen Erkrankungen des Gehirns (im Fokus unserer Untersuchungen stehen Autismus und Alzheimer-Demenz) im Grunde genommen auf eine beeinträchtigte Mentalisierungsfähigkeit zurückzuführen. Das infolge einer gestörten Sozial-Kognitions- und Narrativ-Kompetenz nicht zuverlässig funktionierende Gehirn ist also dementsprechend auch ein dysnarratives Gehirn.

Aufgrund dieses gedanklichen Kontextes erläutere ich im Rahmen meines NAR- Forschungsprojekts die Relation „Narrativität und Alzheimer-Krankheit“. Erstens stelle ich einen neuroanatomisch-psychologischen Erklärungsversuch für den gestörten Zugang des dysnarrativen Gehirns zu den narrativen, diskurspragmatischen und metadiskursiven Praktiken in den verschiedenen entwicklungspsychologischen Phasen der ganzen Lebensspanne vor. Meine Untersuchungen erzielen ferner eine prinzipielle Kritik an den Ansätzen der gängigen Theories of Mind in der aktuellen Forschung zur sozialen Kognition. Im Zusammenhang der Mentalisierungs- und Narrativkompetenzdefizite fallen außerdem ganz besondere Akzente auf die Analyse der narrativen Maske, der Störungen der narrativen Identität, Sicherheit und Reminiszenz im Alter im Allgemeinen und bei Alzheimer-Demenz im Besonderen. Schließlich versuche ich das sehr spannende Forschungspotenzial zu entfalten, das die Untersuchungen zur Beeinträchtigung der Mentalisierungs- und Narrativkompetenz bei Alzheimer-Kranken für viele Fragen der klinischen Neurolinguistik und der Narrativ-Gerontopsychiatrie sowie für die nicht-medikamentösen Therapie- und Rehabilitationsansätze der Alzheimer-Demenz-Forschung implizieren. Langfristiges Ziel des Projekts ist ja letztendlich die Ausarbeitung einer theoretischen Basis für den Brückenschlag von der Geronto-Narrativik zu einer Alzheimer-Demenz-Narrativik sowie die Entwicklung einer Narrativtherapie für Alzheimer-Kranke.    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Letzte Änderung: 16.03.2021
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