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NAR-Seminar: Menschen mit Demenz im Krankenhaus

Do, 18. Juni 2015, 17 - 19 Uhr, Neue Universität, Hörsaal 13, Grabengasse 3, 69117 Heidelberg

Baer Marion

Dr. Marion Bär
Kompetenzzentrum Alter, Institut für Gerontologie, Universität Heidelberg

Wo ist der Patient? Menschen mit Demenz – eine Herausforderung für die Klinik und ihre Mitarbeiter [Video], [Folien]

 

 

 

 

Etwa jeder fünfte Patient in Allgemeinkrankenhäusern ist neben der akuten Erkrankung von einer Demenz betroffen – Tendenz steigend. Bislang gelingt es den meisten Kliniken nicht, diese Patientengruppe angemessen zu versorgen. Die Folgen sind häufig gravierend: Betroffene Menschen geraten während des Krankenhausaufenthaltes in schwere Stresssituationen, es kommt zu einer Verschlimmerung der kognitiven Symptome und zu herausforderndem Verhalten. Experten des Dt. Instituts für Pflegeforschung (dip) gehen davon aus, dass Krankenhauspatienten mit Demenz pro Jahr ca. 2,6 Millionen sedierende Medikamente erhalten und ca. 500.000 meist unnötige Fixierungen erleiden. Im Fokus des Vortrags: Was die Besonderheit der Klinikversorgung von Menschen mit Demenz ausmacht; vor welche Herausforderungen die Mitarbeitenden gestellt sind und welche Wege Kliniken gehen können, um den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz besser gerecht zu werden.

 

Steinhagen-thiessen

​​Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH

Menschen mit Demenz im Krankenhaus - die ärztliche Sicht [Video], [Folien]

 

 

 

 

Zwischen 21% und 40% aller älteren Menschen über 70 Jahre, die über eine Notaufnahme in ein Krankenhaus eingewiesen werden, haben relevante kognitive Einbußen. Ältere Menschen mit einer Demenz werden dreimal häufiger in ein Akutkrankenhaus eingewiesen als gleichaltrige Ältere. Von diesen Einweisungen werden die meisten als vermeidbar von Fachleuten eingeschätzt. D.h. Krankenhauseinweisungen von dementen Patienten sind häufig vermeidbar. Aus vielen Untersuchungen geht als Ergebnis hervor, dass eine Hospitalisierung älterer Menschen einen "kognitiven Einbruch" zur Folge hat. Nicht nur eine Krankenhauseinweisung, auch die Krankenhausumgebung, die Notaufnahme, die Intensivstation, eine Operation usw. – all diese für den Dementen fremden Umgebungen und Maßnahmen triggern oft ein Delir, einen Zustand eines älteren Patienten, welcher vermutlich durch neuroinflammatorische Prozesse ausgelöst wird. Ein Delir wiederum prädisponiert zu kognitiven Einbußen, die oft lang anhaltend und nicht reversibel sind.

Schätzungen sagen uns, dass im Jahr 2020 ca 20% der älteren Patienten im Krankenhaus an einer manifesten Demenz leiden. Die Demenz ist, wie auch heute schon bei den älteren Krankenhauspatienten, nicht die Hauptdiagnose bei der Einweisung. Die häufigsten Hauptdiagnosen sind Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, die zweite große Gruppe der Hauptdiagnosen stellen die Erkrankungen des Bewegungsapparates wie z.B. Frakturen als Folge von Stürzen dar. Dabei wird durch die Nebendiagnose Demenz bei diesen Patienten die Prognose signifikant verschlechtert. Die Gründe für diese Entwicklung sind der "Demografische Wandel", die Zunahme der Demenz im Komorbiditätsspektrum der älteren Menschen und die "Traumen", die ältere Patienten z.B. auf einer Intensivstation oder bei einer Operation erleiden.

Das Krankenhaus ist auf die Versorgung älterer Menschen mit Demenz im klinischen Alltag immer noch nicht eingestellt. Der Demenzkranke, der mit einer Akut-Erkrankung eingewiesen wird, reagiert in der Regel mit Angst, Unruhe, Aggressionen, bis zu Wutausbrüchen. Er versteht die mit ihm veranstaltete Diagnostik nicht, die Hektik und Unruhe in einer Notaufnahme löst bei ihm Angst aus. Bei unangenehmen Untersuchungen reagiert der demente Patient oft mit Aggressionen und einer Verweigerungshaltung. Das Personal, welches meist nicht zum Umgang mit Dementen geschult ist, reagiert unfreundlich und ungeduldig. Die Verwirrung und Überforderung ist auf beiden Seiten komplett. Deshalb sind frühzeitige Diagnostikverfahren, Screeninguntersuchungen in Notaufnahmestationen, Vermeidung von Krankenhauseinweisungen bei dementen Personen, Etablierung von "geschützten Bereichen" für Demente im Akutkrankenhaus sowie Schulung des gesamten Personals zum Umgang mit Patienten mit kognitiven Einbußen dringend erforderlich.

 

Schulz-sabine

 

Sabine Schulz
Alzheimer Gesellschaft Mannheim-Selbsthilfe Demenz e.V.

Krankenhaus und Demenz - Was ich als Angehöriger wissen muss [Video]

 

 

 

Patienten mit einer Demenz fällt es schwer, sich in der Umgebung eines Akutkrankenhauses einzufinden. Die fremde Umgebung, viele unbekannte Menschen, Unruhe und Hektik um sie herum verunsichern sie und machen ihnen zusätzlich Angst. Sie verlieren den Boden unter den Füßen. Je länger ein Krankenhausaufenthalt dauert, umso mehr verändert sich ihre Verhaltensweise. Es kann zu einer Verschlimmerung der Symptomatik bei einer bestehenden Demenz kommen. Nicht immer lässt sich ein Krankenhausaufenthalt dementer Patienten vermeiden. Damit der Aufenthalt nicht zu einem Desaster führt, müssen sich auch begleitende Angehörige dieser besonderen Herausforderung stellen.

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 14.07.2015
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