Dr. Joachim T. Maurer

Zur Person

Leiter Schlafmedizinisches Zentrum, Universitäts- HNO Klinik Mannheim

 

Joachim T. Maurer, Fotos: Michael Doh, NAR

 

 

 

 

 

 

 

Interview vom 8. März 2010 von Dr. Birgit Teichmann

 

Sie werden im NAR Seminar im April unter anderem über Schnarchen und Schlafapnoe sprechen.

Mit Schnarchen bezeichnet man ein knatterndes Geräusch, das in dem oberen Atemweg eines schlafenden Menschen erzeugt wird. Das Schlafapnoesyndrom ist ein Beschwerdebild, das durch Atemstillstände während des Schlafs verursacht wird und in erster Linie durch eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit bis hin zum Einschlafzwang sowie einer Reihe weiterer Symptome und Folgeerkrankungen gekennzeichnet ist.

 

Gibt es Statistiken, die besagen, wie viele Menschen in Deutschland schnarchen und wie viele unter dem Schlafapnoe- Syndrom leiden? 

Schnarchen ist altersabhängig und ungefähr 10% der Kinder schnarchen, aber nur 1-2% haben dieses Schlafapnoesyndrom. Bei einem Erwachsenen ist es auch altersabhängig. Es gibt Untersuchungen, die sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten und Asien gemacht wurden, und man kann im Mittel sagen, dass in der erwachsenen, erwerbstätigen Bevölkerung zirka 50% der Männer schnarchen, 25% der Männer dann Atempausen haben, aber nur 4% der Männer zusätzlich unter einer Tagesschläfrigkeit leiden. Wenn sie jüngere Männer nehmen, dann wird es weniger, wenn sie ältere Männer nehmen wird es mehr. Im höheren Lebensalter ist es so, das deutlich mehr als 50% der Männer schnarchen. Die Anzahl der Atempausen und das Schnarchen ist bei Frauen etwas weniger ausgeprägt und es ist eine Zunahme in den Wechseljahren zu erwarten. Wenn die Hormone sich umstellen, verschiebt sich das ungünstig. Es kommt zu einer relativen Zunahme der männlichen Geschlechtshormone und einer Abnahme der weiblichen Geschlechtshormone. Das Schnarchen wird häufiger, die Atempausen nehmen zu. Bei der erwerbstätigen, erwachsenen Frauenbevölkerung leiden im Vergleich zu den Männern ungefähr halb so viele, also ca. 2%, unter dem Schlafapnoesyndrom und entsprechend auch ungefähr die Hälfte unter einer erhöhten Anzahl von Atempausen.

 

Damit haben Sie gleich eine weitere Frage beantwortet, warum mehr Männer als Frauen betroffen sind. Es ist also auch hormonell bedingt?

Ja, es ist auch hormonell bedingt! Was man noch unter dem Geschlechtsaspekt sehen muss, ist die Fettverteilung. Dieses Fettverteilungsmuster ist bei den Männern eher in der oberen Körperhälfte, d.h. auch der Hals ist kräftig, der Bauch ist dick und es ist nicht nur in der Bauchdecke Fett, sondern auch im Inneren des Bauches zwischen den Därmen. Wenn sie im Hals Fett einlagern, dann wird nicht nur der Hals nach außen dicker, sondern auch der Atemweg, der ein Schlauch ist, wird enger, da sich um ihn herum Fett einlagert. Wenn sie im Bauch Fett haben, dann müssen sie, wenn sie liegen, den Bauch mehr heben, das ist anstrengender, d.h. Atmungsstörungen bei Männern sind häufiger als bei Frauen zu erwarten, wenn sie Übergewicht bekommen. Frauen haben ihr typisches weibliches Fettverteilungsmuster mit Speck an den Hüften, das hat keine Auswirkungen auf das Schnarchen.

 

Hängt das Schnarchen bei Kindern auch mit vergrößerten Mandeln zusammen?

Das Schnarchen und die Atempausen hängen natürlich von vielen Sachen ab. Das eine sind solche funktionellen Dinge wie Hormonsituationen, dann aber auch anatomische Dinge, wie eben nicht nur die Fetteinlagerung im Rachen oder im Bauch, sondern auch, ob die Mandeln groß sind. Alles was den Atemweg einengt, führt zu einer Zunahme der Neigung zum Atemwegsverschluss oder zum Vibrieren des Atemweges. Dazu zählen neben den Mandeln auch die Polypen bei den Kindern. Dazu können auch im Einzelfall Tumore zählen, gutartige oder bösartige. Vielleicht eine große Zyste im Kehlkopfbereich, die dann auch den Atemweg einengt. Eine große Zunge stellt ebenfalls eine Ursache dar. Es gibt Wachstumshormonsstörungen, die zu einem Wachstum der Zunge führen. Es gibt also verschiedene Ursachen, die den Atemweg einengen können und diese müssen nur ausgeprägt genug sein, um zu einem Atemwegsverschluss zu führen. Wir haben ja immer Reflexe im Atemweg, Reflexbögen - wir spüren, wie weit der Atemweg offen ist. Beim Schlafen ändert sich diese Kontrolle und einige Kontrollmechanismen fallen weg, die im Wachzustand da sind. Dann kann es, je enger der Atemweg ist, umso leichter zum kollabieren/ vibrieren kommen. Bei manchen Leuten ist es so, dass wir gar nichts anatomisch Auffälliges finden. Man kann generell sagen, je jünger jemand ist, umso stärker ist diese anatomische Komponente - Kinder und große Mandeln, Kieferfehlstellungen, große Zunge. Je älter man wird, umso häufiger findet man überwiegend funktionelle Komponenten. Das heißt, die Steuerung des Atemweges, die Koordinierung zwischen Atemwegsmuskulatur und Atmungsmuskulatur funktioniert dann nicht mehr so gut: Wann beginnt das Zwerchfell sich zu bewegen und wann beginnt die Atemwegsmuskulatur sich anzuspannen, damit der Atemweg offen bleibt. Das heißt, je älter man ist, umso eher findet man gar nichts Auffälliges, wenn man in den Mund schaut, in die Nase schaut, in den Kehlkopf schaut, aber es gibt trotzdem Atempausen, die eben im Wesentlichen durch die neurologische, funktionelle Störung bedingt sind.

 

Wird der Schlaf durch die Atempausen nicht extrem gestört?

Die Atempausen werden unterbrochen, die halten nicht ewig an. Warum werden sie unterbrochen? Weil wir uns vor dem Ersticken durch eine kurze Weckreaktion retten! Da ist die Frage, wie empfindlich unser Atemzentrum ist. Es gibt Leute, die halten eine Minute die Luft an, andere 2 Minuten, die nächsten 10 Sekunden oder sogar nur 8-9 Sekunden bis die Rettungsaktion kommt. Bei Kindern sehen wir häufig das Gegenteil: Sie haben wenig Atempausen, aber sie atmen mit höchster Anstrengung, versuchen den Atemweg offen zu halten, ringen um Luft. Das kennen alle Eltern, wenn das Kind „zieht“, wie man so sagt, atmet mit aller Kraft gegen den Widerstand, der durch den engen Atemweg entstanden ist, ohne das es zu einer richtigen Atempause kommt. Dennoch kommt es irgendwann zu einer Aktivierung des Gehirns, der Atemweg wird kurz geöffnet, dann atmet das Kind ein wenig unregelmäßig oder ein bisschen tiefer, man hört kein Schnarchen mehr. Und dann fängt es wieder an zu schnarchen und eine weitere Atmungsstörung beginnt. Alle Varianten sind möglich und alle führen letztendlich zu einer Schlafstörung. Es ist nur die Frage, wie häufig sie auftritt und ob der Betroffene richtig wach wird. Nicht nur das richtige Wachwerden, sondern auch die kleinen Weckreaktionen über 3-10 Sekunden zerhacken den Schlaf in Stückchen. Wenn ich 1-2 Minuten wach war, kann ich mich in der Regel daran erinnern. Wenn es nur 5 Sekunden sind, weiß keiner, dass er wachgeworden ist. Das Gehirn hat trotzdem eine Störung in der Erholungsfunktion erfahren.

 

Wenn ich niemals in diese richtigen Tiefschlafphasen komme, wenn ich Tageserlebnisse nicht verarbeite, könnte vielleicht eine Depression eine Folge von nicht verarbeiteten Tageserlebnissen durch Schlafstörungen sein?

Früher hat man gedacht, dass die Schlafapnoe eine Depression auslösen kann, weil die Betroffenen, wenn sie eine schwergradige Erkrankung haben, tatsächlich am Tage einschlafen. Ein Extrembeispiel war ein Patient bei uns, der ist eingeschlafen, während ich die Nase mit dem Spekulum untersucht habe. Aber wenn jemand bei der Arbeit am Computer sitzt, dann Probleme bekommt, seine Arbeit zu bewältigen, dann wird er vielleicht von der Kollegen entweder gehänselt oder er kommt nicht mehr mit, d.h. andere steigen in höhere Positionen auf, er bleibt zurück oder er wird jeden Morgen begrüßt mit den Worten :Hast du die Nacht wieder durchgesoffen? Weil die Augen vielleicht dick sind, weil er unausgeschlafen ist. Das geht natürlich auf das Gemüt. Diese Menschen sind häufig depressiv verstimmt, weil sie erleben, wie sie plötzlich nicht mehr leistungsfähig sind. Aber es ist keine Depression im eigentlichen Sinne, denn wenn die Schlafapnoe behandelt ist, gehen diese Beschwerden in der Regel nach Tagen bis Wochen weg. Was man weiß ist, dass Depressionen fast immer mit Schlafstörungen verknüpft sind und die Leute häufig Durchschlafstörungen haben. Aber es kann natürlich ein depressiver Mensch auch einmal eine Schlafapnoe haben. Zwei Dinge die häufig sind, können auch gleichzeitig vorliegen. Es ist mittlerweile klar, dass eine Schlafapnoe keine eigentliche Depression als Folgererkrankung hat.

 

Angesichts der Bedeutung von Schlaf fragt es sich auch, ob nicht jeder Mensch in einem Schlaflabor untersucht werden sollte. Wenn Sie sagen, 50% aller Männer schnarchen und teilweise haben sie auch eine Schlafapnoe. Es kommt wahrscheinlich nur ein kleiner Bruchteil zu Ihnen, die solche enormen Schwierigkeiten haben, dass sie wirklich große Alltagsprobleme haben.

Wir können nicht die Hälfte der Männer ab 40 oder 50 Jahren wegen Schnarchen in einem Schlaflabor untersuchen. Das wäre ein Riesenaufwand an Personal, an Zeit, an Material, das ist nicht umsetzbar. Also gibt es sogenannte abgestufte Verfahren. Wenn die Beschwerden bei einem Menschen, der schnarcht, gar nicht vorhanden sind, wenn jemand keine Folgererkrankungen hat, die typischerweise durch eine Schlafapnoe ausgelöst werden, wie z.B. hoher Blutdruck, dann wird der Patient nicht im Schlaflabor landen. Dann wird man eine kleine Untersuchung mit einem Gerät machen, das die Atmung, den Sauerstoff im Blut, die Körperlage, Schlafgeräusche kontrolliert und man schaut, ob sich Brust und Bauch beim Atmen gleichmäßig bewegen. Das ist ambulant machbar, zuhause im Bett des Patienten wird gemessen und am nächsten Morgen wird es ausgewertet. Hier gibt es eine flächendeckende ärztliche Versorgung in Deutschland. Gibt es dabei Auffälligkeiten, kann man immer noch eine Untersuchung im Schlaflabor nachschieben.

 

Die Begleiterscheinungen die ich hier gefunden habe, nämlich Stresserkrankungen wie Magengeschwüre, Tinnitus, Hörsturz, Diabetes Mellitus Typ 2 fand ich sehr erschreckend. Wie häufig wissen Patienten nichts von ihrer Schlafapnoe? Ist es auch der andere Umkehrschluss, also wenn ich Tinnitus, einen Hörsturz habe, wird dann darauf untersucht, ob die Ursache vielleicht diese Schlafapnoen sind?

Also, das stimmt nicht alles. Es ist so, dass seit kurzem sich die Daten häufen, dass Diabetes Typ 2 durch Schlafapnoe verstärkt wird, ausgelöst wird. Am Ende der Atempause, wenn wir uns retten, folgt eine starke Stresssituation, die mit einer Kortisonausschüttung einher geht und diese beeinflusst den Zuckerstoffwechsel. Die Empfindlichkeit für Insulin wird verändert. Beim Thema Tinnitus gibt es Hinweise - das Innenohr ist ein recht empfindliches Organ für Sauerstoffmangel - dass es gewisse Einflüsse gibt, aber welche das genau sind, kann man nicht wirklich dingfest machen. Beim Magenulcus ist mir ehrlich gesagt unbekannt, dass die Schlafapnoe eine Rolle spielen sollte.

 

Bluthochdruck hatten Sie schon angesprochen, nun war da noch der plötzliche Herztod, der bei unbehandelter Schlafapnoe mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auftreten kann.

Die Problematik des hohen Blutdruckes hört ja nicht auf damit, dass ich einen hohen Blutdruck habe, sondern der Blutdruck schädigt die Organe genauer gesagt zunächst die Blutgefäße, besonders im Gehirn und im Herzen als wesentlichsten Organen. Es gibt mittlerweile klare Studien, die zeigen, dass bei einer unbehandelten Schlafapnoe über die Jahre das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall immer mehr steigt. Wenn man die Atempausen mit einer wirksamen Therapie beseitigt, wie einer Beatmungstherapie, dann haben die Leute ein Risiko, das nur noch so hoch ist, wie es Menschen ohne Atempausen haben.

 

Bezeichnet man denn jetzt Schlafapnoe als eine Krankheit? Es ist ja ein Syndrom, also es kommen mehrere Symptome zusammen. Wird es als Krankheit bezeichnet oder ist es einfach nur etwas, was einen beim guten Schlaf behindert?

Das ist eine gute Frage. Wir sagen heute, es ist eine Erkrankung. Es gehört zur Gruppe der schlafbezogenen Atmungsstörungen. Wir nennen es auch heute nicht mehr obstruktives Schlafapnoesyndrom, sondern seit 2005 gemäß der neuen Klassifikation der Schlafstörungen nur noch obstruktive Schlafapnoe. Warum? Weil wir mittlerweile doch sehr viel darüber wissen: Wir wissen, wie das abläuft mit den Atempausen, was die Folgen sind und wir haben nicht nur eine einzige auslösende Ursache. D.h. wie ich vorhin sagte, wir können je nach Alter und je nach Anatomie unterschiedliche Gewichte haben in der Formveränderung des Atemweges oder in der Funktionsveränderung des Atemweges. Da beides stimmen muss, haben wir unterschiedliche Muster von Auslösern. In jedem Fall wissen wir recht genau, was die Atempausen auslöst und was sie verhindern kann, sowie was die gesundheitlichen Folgen sind. Deswegen sagen wir heute nicht mehr Syndrom dazu.

Ich würde es auch nicht als Behinderung bezeichnen, weil es nichts ist, was zwingend dauerhaft bestehen muss. Wenn wir z. B. übergroße Mandeln entfernen, dann ist die Schlafapnoe bei Kindern in über 90% der Fälle weg. Wenn Sie bei einem Kind oder einem Erwachsenen, der einen sehr kleinen Kiefer hat, den Kiefer nach vorne verlagern und den Atemweg damit erweitern, dann ist es in 95-100% der Fälle weg.

 

Was machen Menschen die „nur“ schnarchen?

Prinzipiell kann man alle Behandlungen gegen die obstruktive Schlafapnoe auch beim Schnarchen einsetzen. Warum? Weil bei beiden das Problem ist, dass der Atemweg zu eng ist. Bei der obstruktiven Schlafapnoe so eng, dass er sich verschließt, beim Schnarchen eben nicht so eng, so dass es nur zu Vibrationen kommt. Es gibt natürlich Behandlungsverfahren, die sind, wenn man Risiko und Nutzen vergleicht, beim harmlosen Schnarchen völlig überzogen, da das harmlose Schnarchen für den Schnarcher kein erhöhtes Gesundheitsrisiko birgt. Und es gibt umgekehrt Behandlungen, die bei einer Schlafapnoe nicht ausreichend wirksam sind. Wenn es um das harmlose Schnarchen geht, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die eine ist, in getrennten Räumen zu schlafen. Das soll uns recht sein. Es besteht ja kein medizinischer Behandlungsbedarf. Die zweite Variante besteht, z.B. bei Wochenendbeziehungen, bei denen nur gelegentlich eine Beseitigung des Schnarchens gewünscht wird, in der Vermeidung der Rückenlage mit einer Weste. Oder das Einsetzen einer Spange in den Mund, die den Kiefer etwas nach vorne verlagert und dadurch den Rachen etwas weitet und strafft. Schließlich kann man auch den weichen Gaumen behandeln. Es gibt in der Schweiz z.B. einen Bügel, der das Zäpfchen nach vorne hält so das dieses nicht mehr so leicht vibrieren kann. Außerdem existieren operative Möglichkeiten, bei denen das Gaumensegel auf eine Form gebracht wird, die weniger zum Schnarchen neigt. Und natürlich ist auch beim harmlosen Schnarchen die Gewichtsreduktion nicht zu vernachlässigen. Die Patienten können manchmal sehr klar sagen, dass das Schnarchen erst richtig während der Gewichtszunahme begonnen habe. Das heißt bei dem harmlosen Schnarchen versuchen wir auch immer Therapien einzusetzen, die den Patienten so wenig wie möglich mit Risiken überziehen.

 

Ist die Zunahme des Schnarchens durch eine Veränderung der Zivilisation zu erklären oder warum schnarchen heutzutage mehr Menschen?

An vorderster Stelle ist zu nennen, dass wir immer dicker werden, das ist auch bei Kindern bereits ein großes Problem, da mit zunehmendem Gewicht die Atmungsstörungen und alles was damit verbunden ist zunehmen. Dann haben sie bestimmte Bevölkerungsgruppen wie z.B. Asiaten, deren Gesichtsschädel häufig einen in Bezug auf die Atemwegsweite ungünstigeren Aufbau des Gesichtsschädels aufweist: sie haben ein eher längeres Gesicht, welches dafür nicht so weit nach vorne gewachsen ist. Schließlich unterscheiden wir Menschen uns wesentlich von Tieren. Tiere haben in aller Regel einen sehr viel höher stehenden Kehlkopf. Der Kehlkopf steht so hoch, z.B. bei Walen, dass der Kehldeckel hinter dem Zäpfchen steht - bei kleinen Neugeborenen ist das auch so. Wenn der Kehldeckel hinter dem Zäpfchen steht, dann haben sie eine Schienung des Luftweges von der Nase über das Gaumensegel und den Kehldeckel direkt in das Kehlkopfinnere. Damit können wir zwar schlucken, während wir weiter atmen, aber nicht sprechen. Im Laufe der Entwicklung ist der Kehlkopf abgesunken. Damit entstand aus dem Bereich zwischen Gaumen und Kehlkopf - es sind immerhin einige Zentimeter - ein weicher Bezirk, in dem keine knöchern-knorpelige Schienung des Atemweges vorhanden ist. Diesen weichen Bereich brauchen wir aber zum Sprechen, denn er ermöglicht eine sehr viel umfangreichere Bildung von verschiedenartigsten Lauten. D.h. unsere verbesserte Kommunikation haben wir damit erkauft, dass der Atemweg an einer Stelle unstabil wird und im Schlaf kollabieren kann. Die Kommunikationsvorteile haben uns allerdings evolutionär mehr genutzt als das Risiko, durch Schnarchen vielleicht von unserem Stammesnachbarn erschlagen zu werden, uns geschadet hat.

Zur Person

Joachim T. Maurer wurde 1964 in Speyer geboren. Nach Zivildienst und Auslandseinsatz im Entwicklungsdienst in Afrika studierte er in Mainz Biologie und Medizin und promovierte dort mit einer mikrobiologischen Arbeit. 1994 begann er seine Ausbildung zum Hals-Nasen-Ohrenarzt am Universitätsklinikum Mannheim und engagierte sich von Beginn an im von Prof. Dr. Karl Hörmann neu gegründeten Bereich Schlafmedizin der Hals-Nasen-Ohrenklinik. Im Dezember 1995 wurde er mit der Leitung des schlafmedizinischen Zentrums betraut, welches kurz darauf als erstes Schlaflabor unter hals-nasen-ohrenärztlicher Leitung von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin akkreditiert wurde. Seit 1998 ist er Oberarzt und seit 2006 stellvertretender Direktor der Universitäts-HNO-Klinik in Mannheim. Er besitzt die Weiterbildungsermächtigung „Schlafmedizin“ und ist als Prüfer sowohl bei der Ärztekammer als auch bei der schlafmedizinischen Fachgesellschaft tätig.

Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der schlafmedizinischen Forschung, besonders der schlafbezogenen Atmungsstörungen. Im Mai 2010 wurde er für seine Arbeiten zur Diagnostik und Therapie des Schlafapnoesyndroms von der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie mit dem Hoffmann- und Heermann-Preis geehrt.

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 21.05.2014
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