Sportwissenschaften

Gordt Neu GrKatharina Gordt - Sportwissenschaftlerin M.Sc.
Netzwerk AlternsfoRschung
Bergheimer Straße 20
69115 Heidelberg

Tel: +49 (0)6221 54 8132
gordt@nar.uni-heidelberg.de

Fellows: Dr. Michael Schwenk

 

Technikbasiertes Assessment und Training der Balance

Mit zunehmendem Alter kommt es häufig zu Einschränkungen der Balancefähigkeit. Das Sturz- und Frakturrisiko kann dadurch erhöht sein. Man geht davon aus, dass etwa ein Drittel aller über 65-Jährigen einmal im Jahr stürzt. Bei den hochbetagten Personen stürzen sogar über 50%  (Lord et al. 2007). Dem Assessment und Training der Balance kommt deshalb mit zunehmendem Alter eine immer wichtigere Bedeutung zu.

Neue Technologien, wie z.B. am Körper getragene Sensoren (wearable sensors), erlauben sowohl ein präzises Assessment als auch spezifisches Training der Gleichgewichtsfunktion während des Stehens (statische posturale Balance) und des Gehens (dynamische posturale Balance). Über die Sensoren können Trainierende unmittelbar während der Übungsausführung ein visuelles und auditives Bewegungsfeedback erhalten, welches hilft, die Bewegungskontrolle und das Bewegungsbewusstsein zu verbessern.

Im Gegensatz zu stationären Systemen (z.B. Kraftmessplatte, Kamerasystem) sind sensor-basierte Systeme kostengünstiger und können im klinischen Alltag einfach eingesetzt werden (Schwenk et al. 2014). Somit haben sie ein hohes Potential für die Implementierung als Routine-Assessment. Aktuelle Pilotstudien weisen darauf hin, dass über sensor-basierte Systeme das Gleichgewicht älterer Personen (Gill et al. 2001, Schwenk et al. 2014) und verschiedener Patientengruppen mit spezifischen Gleichgewichtsdefiziten, z.B. aufgrund von verschiedenen neurologischen Erkrankungen (Adkin et al. 2005, Grewal et al. 2014, Schwenk et al. 2015) oder kognitiven Einschränkungen (Schwenk et al. in press), verbessert werden kann. Bislang wird dieser vielversprechende Ansatz jedoch in der Klinik wenig eingesetzt. Ziel des NAR-Forschungsprojekts ist die Implementierung eines neuartigen, nutzerfreundlichen sensor-basierten Balancetrainings in den klinischen Alltag.

Neben Defiziten der posturalen Balance spielen v.a. auch Einschränkungen der reaktiven Balancefähigkeit eine zentrale Rolle bei Stürzen. Studienergebnisse zeigen, dass bis zu 50% der Stürze (ausrutschen, stolpern) auf eine insuffiziente reaktive Balance zurückzuführen sind (Luukinen et al. 2000). Dieser Aspekt wird in Sturzpräventions- und Rehabilitationsprogrammen bisher kaum aufgegriffen. Meist wird in der Klinik lediglich die willkürliche Balance, z.B. durch statische oder dynamische Gleichgewichtsübungen, trainiert. Ein neuer Ansatz ist das Training der reaktiven Balancekontrolle über ein Perturbationslaufband. Ein solches Laufband ermöglicht es, unerwartete Störungen der Balance während des Gehens zu simulieren. Somit können alltagsnahe Situationen wie stolpern oder ausrutschen gezielt trainiert werden. Ein spezielles Gurtsystem gewährleistet die Sicherheit der Teilnehmer  und verhindert das tatsächliche Stürzen. Erste Pilotstudien zeigen, dass ein Perturbationstraining positive Effekte auf die Gleichgewichtsfunktion hat (Mansfield et al. 2010) und das Sturzrisiko senken kann (Pai et al. 2014). In Zusammenarbeit mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart wird ein laufband-basiertes Perturbationstrainingsprotokoll entwickelt und bei jüngeren und älteren Personen validiert.

 

Literature

  • Adkin AL, Bloem BR, Allum JH: Trunk sway measurements during stance and gait task in Parkinson's disease. Gait posture. 2005 Nov;22(3):240-9.
  • Gill J, Allum JH, carpenter MG, Held-Ziolkowska M, Adkin AL, Honegger F, Pierchala K:
  • Trunk sway measures of postural stability during clinical balance test: effects of age. J Gerontol A Biol Sci. 2001 Jul;56(7):M438-47.
  • Grewal GS, Schwenk M, Lee-Eng J, Parvaneh s, Bharara M, Menzies RA, Talal TK, Armstrong DG, Najafi B: Sensor-Based Interactive Balance Training with Visual Joint Movement Feedback for Improving Postural Stability in Diabetics with Peripheral Neuropathy: A Randomized Controlled Trial. Gerontology. 2015;61(6):567-74.
  • Lord SR, Sherrington C, Menz HB, Close JCT: Falls in older people: risk factors and strategies for prevention. 2., ed. New York, Cambridge University Press 2007.
  • Luukinen H, Herala M, Koski K, Honkanen R, Laippala P, Kivelä SL: Fracture risk associated with a fall according to type of fall among elderly. Osteoporos Int. 2000:11(7):631-4.
  • Mansfield A, Peters AL, Liu BA, Maki BE: Effect of a perturbation-based balance training program on compensatory stepping and grasping reactions in older adults: a randomized controlled trial. Phys Ther. 2010 Apr;90(4):476-91.
  • Pai YC, Bhatt T, Yang F, Wang E: Perturbation training can reduce community-dwelling older adults' annual fall risk: a randomized controlled trial. J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2014 Dec;69(12):1586-94.
  • Schwenk M, Grewal GS, Honarvar B, Schwenk S, Mohler J, Khalsa DS, Najafi B: Interactive balance training integrating sensor-based visual feedback of movement performance: a pilot study in older adults. J Neuroeng Rehabil. 2014 Dec 13;11:164.
  • Schwenk M, Grewal GS, Holloway D, Muchna A, Garland L, Najafi B: Interactive Sensor-Based Balance Training in Older Cancer Patients with Chemotherapy-Induced Peripheral Neuropathy: A Randomized Controlled Trial. Gerontology. 2015 Dec 18.

 

Kurzlebenslauf

seit 03/2016 Stipendiatin am Netzwerk Alternsforschung (NAR), Uni Heidelberg  
2015 - 2016 Wissenschaftliche Hilfskraft am Julius Wolff Institut der Charité Berlin  
2013 - 2016   Master of Science in Biomechanik-Motorik-Bewegungsanalyse an der Justus-Liebig-Universität Gießen  
2010 - 2013 Bachelor of Science in Physiotherapie an der Universität Marburg/ Hochschule Fulda  
2007 - 2010 Staatsexamen zur Physiotherapeutin an der Berufsfachschule für Physiotherapie in Augsburg

 

 

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Letzte Änderung: 18.07.2017
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