Pharmazie

Muhlack G
Dana Clarissa Muhlack, Apothekerin
Netzwerk AlternsfoRschung
Bergheimer Straße 20
69115 Heidelberg

Tel: +49 (0)6221 54 8143
muhlack@nar.uni-heidelberg.de

Fellows: Prof. Dr. Ben Schöttker

 

Risiken durch Polypharmazie und potentiell inadäquate Medikamente für ältere Erwachsene

Eine optimale Arzneimittelversorgung erkrankter Menschen liegt sowohl im Interesse der Gesellschaft als auch in der jedes Einzelnen. Mit zunehmendem Alter steigen die Morbidität und damit die Anzahl der Medikamente, die eingenommen werden müssen. Auf die Gruppe der über 65-Jährigen entfallen 55 % aller verordneten Arzneimittel in Deutschland und etwa jeder Vierte erhält fünf oder mehr Arzneimittel gleichzeitig, was häufig mit dem Begriff „Polypharmazie“ bezeichnet wird.

Dennoch wird diese Altersgruppe meist von randomisierten kontrollierten Arzneimittelstudien ausgeschlossen. Das ist problematisch, da sich mit dem Alter der Körper verändert. Dies beeinflusst die Wirkung sowie die Ausscheidung von Arzneimitteln. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) können stärker und häufiger auftreten. Arzneimittel, die für ältere Menschen ein unnötig hohes Risiko darstellen, werden als potentiell ungeeignete Medikamente (PIM) bezeichnet. Sie sollten wenn möglich vermieden werden.

Studiendaten aus anderen Ländern deuten darauf hin, dass die Einnahme von PIM mit Krankenhauseinweisungen, kardiovaskulären Vorfällen, funktioneller Beeinträchtigung, frühzeitigem Tod und einer niedrigeren Lebensqualität zusammenhängen (2). Es gibt jedoch nur wenige Informationen über die Konsequenzen von PIM-Verordnungen im deutschen Gesundheitssystem. Weltweit beschäftigen sich Forschergruppen damit, PIM zu definieren. Fast jedes größere Industrieland hat inzwischen eine eigene PIM-Liste entwickelt.

Anhand der Daten einer großen, bevölkerungsbezogenen, prospektiven Kohortenstudie mit dem Namen ESTHER-study sollen die Auswirkungen der Verordnung von Polypharmazie und PIM in Bezug auf die Sterblichkeit und die Lebensqualität älterer Menschen in Deutschland ermittelt werden. In diesem Zusammenhang sollen gängige und neuentwickelte PIM-Definitionen verglichen werden, um die am besten geeignete Liste zu identifizieren. Diese soll in Zukunft helfen die Arzneimittelsicherheit für ältere Menschen in Deutschland zu erhöhen.

Darüber hinaus erwarte ich zu bestätigen, dass häufige, nicht schwerwiegende UAW einen hohen Einfluss auf die Lebensqualität älterer Menschen haben, und dass durch diese Gruppe von UAW ein möglicher Zusammenhang zwischen Polypharmazie und der Lebensqualität älterer Menschen erklärt werden kann. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen die Aufmerksamkeit von Ärzten im Bereich der Geriatrie auf die vielfach in der Praxis vernachlässigten nicht schwerwiegenden UAW zu lenken.

  1. Schwabe U, Pattrath D, Arzneiverordnungs-Report 2015, DOI 10.1007/978-3-662-47186-9_46, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015
  2. Beer C, Hyde Z, Almeida OP, Norman P, Hankey GJ, Yeap BB, et al. Quality use of medicines and health outcomes among a cohort of community dwelling older men: an observational study. Br J Clin Pharmacol 2011;71(4):592-9.

 

Kurzlebenslauf

2007 - 2012    Studium der Pharmazie an der Carolo-Wilhelmina Universität Braunschweig
2012 - 2013 Praktisches Jahr
12/2013 Approbation zur Apothekerin
2014 - 2015 Projektmitarbeiterin beim Arzneimittelberatungsdienst der Klinischen Pharmakologie an der TU Dresden
seit 02/2016 Doktorandin am Netzwerk Alternsforschung (NAR), Universität Heidelberg

 

 

 

 

 

 

 

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Letzte Änderung: 07.04.2017
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