NAR-Kollegiaten

Kurzlebenslauf

Keller Gr Neu

M. Sc. Public Health, BSc. Physiotherapy, Christine Keller
Netzwerk AlternsfoRschung
Bergheimer Straße 20
69115 Heidelberg

Tel: +49 (0)6221 54 8139
keller@nar.uni-heidelberg.de

Fellows: Prof. Dr. Ronald Hitzler; Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse

 

Formen der Interaktion und Kommunikation im Umgang mit Menschen mit Demenz – eine videogestützte ethnographische Rekonstruktion der Integrativen Validation

Das Phänomen Demenz zeichnet sich meist durch eine Vielzahl neurologischer und sozialpsychologischer Veränderungen aus. Gerade der Umgang mit Menschen, deren Verhalten sich durch den Krankheitsverlauf bedingt so stark verändert, dass es als störend oder gar gefährdend empfunden wird, macht die ohnehin schwierige Aufgabe der Pflege von Menschen mit Demenz zu einer der schwierigsten Aufgaben im Bereich der Altenpflege, und erscheint oftmals als nahezu unlösbares Problem für die Menschen, die deren unmittelbares Umfeld bilden. Hinzu kommt, dass das meist beeinträchtigte sprachliche Ausdrucksvermögen und Sprachverständnis ein gegenseitiges Verstehen und Verständigen bis hin zur Unmöglichkeit erschweren kann. Um die Situation sowohl für Betroffene als auch für deren Interaktionspartner und insbesondere für Mitarbeitende der Altenpflege zu verbessern, schlägt das Bundesministerium für Gesundheit neben sieben weiteren Empfehlungen die Validation vor. Die Integrative Validation nach Richard® (IVA) wird hierbei als die Validationsform mit der größten Chance auf positive Erfolge im Umgang mit Menschen mit Demenz genannt und verhalf der Validation, zu einem „Stützpfeiler in der Demenzbetreuung“ (BMG – Bundesministerium für Gesundheit 2006: 92) zu werden.

Obwohl die IVA ministeriell empfohlen, bundesweit gelehrt und praktiziert wird sowie im Ausbildungssektor der Pflege als innovatives Versorgungs- und Qualifizierungsangebot eine wesentliche Rolle spielt, ist ihre Evidenz weder wissenschaftlich belegt noch handelt es sich um ein theoretisch eingeordnetes Konzept. In den Rahmenempfehlungen als fehlende „klare Umschreibung“ (BMG – Bundesministerium für Gesundheit 2006: 89) bezeichnet, ist insbesondere zu konstatieren, dass zur IVA bislang keine wissenschaftlich fundierte Literatur vorliegt.

Nichtmedikamentöse Verfahren sind ein Schwerpunkt bei der Versorgung von Menschen mit Demenz. So auch die IVA, deren Begründerin Nicole Richard konzeptionell um eine gelingende Kommunikation mit  Menschen mit Demenz bemüht ist. Mit meinem – ethnografischen – Dissertationsvorhaben habe ich es mir deshalb zur Aufgabe gemacht, anhand des Schulungsmaterials mit Nicole Richard als Lehrender sowohl ihr Konzept als auch ihre Techniken dieses zu vermitteln, zu analysieren. Das mit nichtstandardisierten Verfahren explorativ erhobene Datenmaterial umfasst Beobachtungsprotokolle sowie audiographisches und videographisches Datenmaterial der gesamten Schulungseinheiten. Basierend auf der Prämisse, dass Menschen wissensgeleitet und wissensgenerierend handeln (vgl. Hitzler 2007: 3), werden in diesem laufenden Projekt die Praktiken und Methoden, die Nicole Richard bei der Vermittlung ihres Schulungskonzepts anwendet, mit verschiedenen Methoden der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik rekonstruiert (vgl. Soeffner/Hitzler 1994: 105 f.).

Bei der Erforschung des IVA-Konzepts soll im Speziellen analysiert werden, welche Bedeutung Haltung und Methode für das Konzept haben und wie diese von Nicole Richard vermittelt werden. Generalisierend sollte sich daraus extrapolieren lassen, welche Faktoren für eine erfolgreiche Kommunikation mit Menschen mit Demenz grundsätzlich wichtig sind, wie diese schlechthin vermittelt werden können und welche Aspekte der Vermittlung an den Grenzen des Sozialen (so beispielsweise Personen mit „Nichtnormalität“ anzeigenden Merkmalen wie insbesondere Personen mit als defizitär geltender Kommunikationsfähigkeit) dafür prinzipiell von Bedeutung sind.

Davon ausgehend können möglicherweise sogar Rückschlüsse für das Miteinander mit anderen Sozialfiguren, mit denen wir nicht in der für uns vertrauten Weise kommunizieren können, hinsichtlich der Bedeutung von Zuschreibungen und Definitionen in Bezug auf diese Akteure, die Haltung oder bestimmte Techniken gezogen werden.

 

Forschungsschwerpunkte

  • Demenzforschung (Kommunikation, Betreuung, Konzeptvermittlung)

  • Methoden der explorativ-interpretativen Sozialforschung (Lebensweltanalyse, Ethnographie, Videographie)

  • Wirkung und Vermittlung nichtmedikamentöser Verfahren

 

Veröffentlichungen

  • Keller, Christine (2015): Freundschaftliche Forschung? Annäherung und Distanzierung beim Betreiben von Ethnographie. In: Ronald Hitzler und Miriam Gothe (Hrsg.): Ethnographische Erkundungen. Methodische Aspekte aktueller Forschungsprojekte. Wiesbaden: Springer VS, S. 255-273.

  • Beer, Thomas; Keller, Christine (2012): „Hallo, hallo, wo bin ich?“ Emotionsorientierte Kommunikationsansätze im Umgang mit Menschen mit Demenz. In: Norbert Schröer, Volker Hinnenkamp, Simone Kreher und Angelika Poferl (Hrsg.): Lebenswelt und Ethnographie. Essen: Oldib-Verlag, S. 345-354.

  • Kreher, Simone; Marr, Eva; Keller, Christine (2010): Einen Porsche Cayenne mit Wohnanhänger fahren, eine eigene Katze haben dürfen oder bei einer Freundin übernachten? Wie Kinder ihre Vorstellungen von einem „guten Leben“ heute zum Ausdruck bringen. Forum Gemeindepsychologie S. 21.

  • Krauß, Christine (2007): Physiotherapie in der Palliativmedizin – Palliativmedizin in der Physiotherapie (Teil 3). In: Zeitschrift für Physiotherapie (01), S. 40-53.

  • Krauß, Christine (2006): Physiotherapie in der Palliativmedizin – Palliativmedizin in der Physiotherapie (Teil 2). In: Zeitschrift für Physiotherapie (12), S. 1370-1378.

  • Krauß, Christine (2006): Physiotherapie in der Palliativmedizin – Palliativmedizin in der Physiotherapie (Teil 1). Zeitschrift für Physiotherapie (11), S. 1230-1240.

Kurzlebenslauf

2001-2004 Staatsexamen zur Physiotherapeutin an der Schule für Physiotherapie Göttingen
2004-2009 Arbeit als Physiotherapeutin in Fulda, Schwetzingen, Reilingen und Altlußheim
2004-2006 Bachelor of Science „Physiotherapy“ an der HAWK Hochschule Hildesheim/ Holzminden/Göttingen
2005 Studienaufenthalt an der Hawai`i Pacific University. Studienschwerpunkte: Medical Anthropology, On Death and Dying
2008-2010 Master of Science in Public Health an der Hochschule Fulda  
2010-2014 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt EMOTi-KOMM – Wirkungsanalyse emotionsorientierter Kommunikationsansätze in der Betreuung von Menschen mit Demenz in institutionellen Pflegesituationen, Hochschule Fulda
since 2012 Promotionsstudium an der Technischen Universität Dortmund bei Prof. Dr. Ronald Hitzler, Fakultät für Erziehungswissenschaft und Soziologie
since 4/2015 Member of the NAR Kolleg, Heidelberg University

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 24.10.2017
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