NAR-Kollegiaten

Veröffentlichungen
Kurzlebenslauf

Ahlsdorf

 

Dr. Elke Ahlsdorf
(korrespondierende Kollegiatin)

 

 

 

 

Musikbezogene autobiographische Erinnerungen und ihre individuelle Bedeutung

Wohl für die meisten Menschen hat Musik im Alltag eine wichtige Bedeutung. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob Musik gehört wird oder ob aktiv musiziert wird. Auch in der Erinnerung an persönliche Ereignisse, im so genannten autobiographischen Gedächtnis, kann Musik eine zentrale Stellung einnehmen. Bei der genaueren Betrachtung dieser Aspekte ergeben sich viele Fragen.

  • Welche Erfahrungen wurden und werden mit Musik oder Musizieren gemacht?
  • An welche Ereignisse in Zusammenhang mit Musik können sich Menschen erinnern?
  • Unterscheiden sich diese Erinnerungen von der autobiographischen Erinnerung an andere Ereignisse?
  • Wie unterscheiden sich die Erinnerungen in ihrer Phänomenologie, d.h. in ihrem Erscheinungsbild?
  • Welche, vielleicht auch ambivalenten, Gefühle sind mit diesen Erinnerungen verbunden? Insbesondere die Kriegszeit sollte hier eine bedeutsame Rolle spielen.
  • Kann Musik dazu dienen, sich gezielt an Ereignisse zu erinnern?

In der interdisziplinären Zusammenarbeit im NAR-Kolleg möchte ich untersuchen, welche Bedeutung Erinnerungen an Musikerleben im Lebenslauf für das Wohlbefinden älterer Menschen haben. Dabei gehe ich von den eigenen Forschungen zum autobiographischen Gedächtnis Älterer aus. Eine Einführung in die Untersuchung des autobiographischen Gedächtnisses findet sich in dem Artikel "Differenzielle Untersuchungen zum autobiographischen Gedächtnis". Für die Beantwortung der oben genannten Fragestellungen werden neuropsychologische, entwicklungspsychologische und musikwissenschaftliche Erkenntnisse integriert. Die Untersuchung verfolgt dabei zwei Ziele:

  1. Von zentralem Interesse sind autobiographisch bedeutsame Aspekte von Musik und Erinnerung. Dazu werden in einem ersten Schritt qualitative Interviews durchgeführt. Um ein möglichst differenziertes Bild zu erhalten, werden ältere Menschen verschiedener Kohorten befragt. Dabei soll versucht werden, Antworten auf die verschiedenen Fragen zum Musikerleben zu erhalten. Außerdem interessieren die mit dem Musikerleben verbundenen persönlich bedeutsamen Erinnerungen. Dieses Vorgehen dient in erster Linie dazu, den Themenbereich mit seinen möglichen Facetten kennenzulernen und näher einzugrenzen. 
  2. In einem zweiten Schritt soll auf diesen Grundlagen ein Fragebogen für eine ausführliche Analyse musikbezogener autobiographischer Erinnerungen entwickelt werden. Der Fragebogen kann zum einen der Grundlagenforschung dienen. So gibt es zu Musik und Erinnerung bisher wenige quantitative Forschungen, obwohl das Thema allgemein eine große Bedeutung zu haben scheint. Der Fragebogen kann zum anderen aber auch als therapeutisches Instrument genutzt werden, um Zugang zu den individuellen Zusammenhängen von Musik und Erinnerung im Erleben einzelner Menschen zu erhalten. So kann sich beispielsweise ein älterer Mensch durch das Hören eines bestimmten Schlagers an seine Jugend erinnern, in der er schöne Stunden beim Tanzen verbracht hat. Dieses Wissen kann dann unter Umständen genutzt werden, um gezielt durch Musik die Erinnerung an persönlich bedeutsame Ereignisse zu fördern. Auf diese Weise kann eine Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie angeregt und eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden.

 

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Veröffentlichungen (geb. Schallies)

  • Sattler, C., Söthe-Röck, A., Ahlsdorf, E. & Schröder, J. (zur Veröffentlichung eingereicht). Musizieren und Musikhören im Lebenslauf älterer Menschen. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie.
  • Ahlsdorf, E. (im Druck) Kognitives Training bei leichter kognitiver Beeinträchtigung und Demenz. In Wahl, H.W. & Tesch-Römer, C. (Hrsg.) Gerontologie in Schlüsselbegriffen. Kohlhammer
  • Ahlsdorf, E. (2010). Potenziale des Alters im klinisch-psychologischen Kontext: Autobiografisches Gedächtnis, Sinnerfahrung und Musik. In: Kruse, A. (Hrsg.) Potenziale im Altern. Akademische Verlagsgesellschaft, S. 343-357.
  • Ahlsdorf, E. (2009). Differenzielle Untersuchungen zum Autobiographischen Gedächtnis. Hamburg: Dr. Kovac.
  • Ahlsdorf, E. & Schröder, J. (in Druck). Kognitiver Status bei Demenz. In: Reuschenbach, B. & Mahler, C. (Hrsg.) Handbuch pflegerelevanter Assessmentinstrumente.
  • Ahlsdorf, E., Seidl, U. & Schröder, J. (zur Veröffentlichung eingereicht). Autobiographisches Gedächtnis im Alter und Depression. Eine Differenzierte Untersuchung mit dem Bielefelder Autobiographischen Gedächtnis Inventar (BAGI). Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie.
  • Plessner, H., Betsch, T., Schallies, E., & Schwieren, C. (2007). Automatic online formation of implicit attitudes toward politicians as a basis for intuitive voting behavior. In: H. Plessner, H., Betsch, C. & Betsch, T. (Eds.). Intuition in judgment and decision making. Mahwah, N.J.: Lawrence Erlbaum, pp. 107-117.
  • Seidl, U., Ahlsdorf, E., & Schröder, J. (2007). Störungen des Autobiographischen Gedächtnisses bei Alzheimer Demenz. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 20 (1), 47-52.
  • Seidl, U., Ahlsdorf, E., & Toro, P. (2007). Die leichte kognitive Beeinträchtigung- epidemiologische, neuropsychologische und neurobiologische Aspekte. Journal of Preventive Medicine, 3, 198-205
  • Plessner, H. & Schallies, E. (2005). Judging the cross on rings: A matter of achieving shape constancy. Applied Cognitive Psychology, 19, 1145-1156.
  • Betsch, T., Plessner, H. & Schallies, E. (2004). The value-account model of attitude formation. In: Maio, G.R. & Haddock, G. (Eds.). Contemporary perspectives on the psychology of attitudes. Hove: Psychology Press, pp. 252-273.

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Kurzlebenslauf 

1998 - 2003 Psychologiestudium an der Universität Heidelberg. Praktikum in der Psychotherapeutischen Praxisstelle der Universität Bern, Schweiz.
Diplomarbeit "Lebensqualität im hohen Alter. Person-Umwelt-Passung alleinlebender Hochaltriger" am Deutschen Zentrum für Alternsforschung. Nominiert für den Franz-Weinert-Gedächtnispreis
2003 Diplom in Psychologie
2003 - 2014 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion Gerontopsychiatrie, Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg
7/2008 - 2009 Stipendiatin des NAR-Kollegs
5/2009 Promotion über das Autobiographische Gedächtnis bei Prof. Dr. Johannes Schröder, Sektion Gerontopsychiatrie, Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sokoll: Admin
Letzte Änderung: 08.10.2015