Gerontologie

Veröffentlichungen
Kurzlebenslauf

Berendonk Charlotte

Charlotte Berendonk - Diplom-Pflegewirtin (FH)

Netzwerk AlternsfoRschung
Bergheimer Straße 20
69115 Heidelberg

Tel: +49 (0)6221 54 81 34
berendonk@nar.uni-heidelberg.de

Fellows: Prof. Dr. Andreas Kruse, Prof. Dr. Hartmut Remmers

 

Biografiearbeit in der stationären Langzeitpflege von Menschen mit Demenz – Subjektive Theorien Pflegender

Jeder Mensch, der auf Pflege und Betreuung angewiesen ist, erhebt Anspruch darauf, dass auf seine Bedürfnisse, Vorlieben und Abneigungen individuell eingegangen wird. Die Berücksichtigung dieser Individualität ist ein entscheidendes Kriterium für gute Pflege und Betreuung. Auch Pflege- und Betreuungspersonen stimmen dem zu. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, benötigen sie umfassende Informationen über das bisherige Leben der pflegebedürftigen Person, über bedeutsame Ereignisse, Werte, Vorlieben, Abneigungen, aber auch darüber, was für diese Person aktuell von Bedeutung ist. Diese Informationen systematisch zu erheben, zu dokumentieren, im Team zu kommunizieren und in die Pflege und Betreuung einfließen zu lassen, wird als Biografiearbeit bezeichnet. Aufgrund der Wichtigkeit von Biografiearbeit sind beruflich Pflegende auch gesetzlich verpflichtet, diese durchzuführen.

Bei der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz kommt der Biografiearbeit eine ganz besondere Bedeutung zu: Vergangene bedeutsame Ereignisse vermischen sich oft mit der aktuellen Situation, und nur die Kenntnis der biografischen Hintergründe erlaubt es, das Erleben und Verhalten der Person mit Demenz zu verstehen. Und nur durch die Kenntnis und intelligente wie auch sensible Nutzung bedeutsamer „Anker“ (z. B. Hobbys, berufliche Hintergründe, bedeutsame Personen usw.) gelingt es, eine Beziehung aufzubauen und Situationen emotional positiv zu gestalten.

Allerdings gibt es Hinweise auf eine Diskrepanz zwischen Biografiearbeit, wie sie in der Praxis betrieben wird, und den Prinzipien, die diesbezüglich in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben werden. Die Gründe dafür sind bisher wenig erforscht. Dieses Promotionsprojekt möchte zur Schließung dieser Forschungslücke beitragen. Da Mitarbeitende von Pflege und Betreuung jene Personen sind, die Biografiearbeit leisten, und da sie auch die Rahmenbedingungen der stationären Altenpflege aus eigener Erfahrung kennen, konzentriert sich das hier beschriebene Projekt auf deren Expertise.

Folgende Datenerhebungsschritte sind in unterschiedlichen Pflegeheimen vorgesehen:

  • Interviews mit Führungspersonen, Pflege- und Betreuungspersonen
  • sowie Gruppendiskussionen mit Pflege- und Betreuungspersonen

Ergänzende Datenquellen können teilnehmende Beobachtungen in öffentlichen Räumen sowie Dokumentationsanalysen (Dokumentation der Biografiearbeit und verwendete Instrumente) sein. Diese ermöglichen einen Einblick in die Organisation der Biografiearbeit in den Einrichtungen und können Hinweise auf weitere Gesprächspartner geben.

Die genannten Datenquellen sollen Aufschluss darüber geben, wie Pflege- und Betreuungspersonen Biografiearbeit mit Menschen mit Demenz erleben, was sie unter Biografiearbeit verstehen und was für sie dazu zählt, welche Bedingungen ihrer Ansicht nach förderlich oder hinderlich für das Leisten von Biografiearbeit sind und wann Biografiearbeit als gelungen bzw. nicht gelungen eingeschätzt wird.

Ziel der Studie ist die Generierung eines theoretischen Rahmens zur Erklärung der Gestaltung und Beeinflussbarkeit von Biografiearbeit bei der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in der stationären Altenpflege. Die Darstellung dieser theoretischen Zusammenhänge soll als Grundlage für die Entwicklung eines Konzepts zur gezielten Analyse und Optimierung von Biografiearbeit in der stationären Langzeitpflege von Menschen mit Demenz dienen.

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Veröffentlichungen

  • Berendonk, C. (2015). Das narrative Wesen. Biografiearbeit wird von Pflegenden häufig missverstanden. Eine Erweiterung des Konzeptverständnisses ist notwendig. Pflegezeitschrift, 68(7), 412-415.
  • Hoben, M., Berendonk, C., Buscher, I., Quasdorf, T., Riesner, C., Wilborn, D., & Behrens, J. (2014). Scoping review of nursing-related dissemination and implementation research in German-speaking countries: Mapping the field / Scoping Review zum Stand der pflegebezogenen Disseminations- und Implementierungsforschung in deutschsprachigen Ländern: eine Bestandsaufnahme. International Journal of Health Professions, 1(1), 34–49.
  • Berendonk, C. (2015). "Den Menschen als Ganzes sehen" – Wie Mitarbeitende in Pflegeheimen Biografiearbeit erleben und beschreiben.Marburg: Tectum-Verlag.
  • Berendonk C., Stanek S., Schönit M., Kaspar R., Bär M. & Kruse, A. (2011): Biographiearbeit in der stationären Langzeitpflege von Menschen mit Demenz – Potentiale des DEMIAN-Pflegekonzepts. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 44 (2), 13-18.
  • Berendonk, C.; Stanek, S.; Schönit, M.; Kaspar, R. & Kruse, A. (2010). Individuell pflegen: Vom "Bauchgefühl" zum Pflegekonzept. In: Pflegezeitschrift, 63, 6, 355-358.
  • Berendonk, C. & Stanek, S. (2010). Positive Emotionen von Menschen mit Demenz fördern - Die Gestaltung individuell bedeutsamer Alltagssituationen durch Pflegefachpersonen und pflegende Angehörige. In: Kruse, A. (Hrsg.): Lebensqualität bei Demenz?  Zum gesellschaftlichen und individuellen Umgang mit einer Grenzsituation im Alter. Heidelberg: Akademische Verlagsgesellschaft. S. 157-176.
  • Stanek, S.; Berendonk, C.; Schönit, M.; Kaspar, R. & Kruse, A. (2010). Auf den Spuren des Glücks - Wie mit Blick auf die individuellen Vorlieben mehr Freude in den Pflegealltag einzieht. In: Pflegen: Demenz, 15, S. 20-23.
  • Stanek, S.; Berendonk, C.; Schönit, M.; Kaspar, R. & Kruse, A. (2010). Individuelle Erlebnisräume für Menschen mit Demenz gestalten. Das DEMIAN-Projekt. In: PADUA, 4, September 2010, S. 42-49.
  • Berendonk, C. & Stanek, S. (2009). Demenzkranke Menschen in individuell bedeutsamen Alltagssituationen - Ein Pflegekonzept zur individuellen Gestaltung positiver Erlebnisräume. In Behrens, J. (Hrsg.), "Pflegebedürftig" in der "Gesundheitsgesellschaft". Langzeitbetreuung und Pflege im Spannungsfeld neuer Bewältigungsstrategien. 4. Tagung der Forschungsverbünde "Pflege und Gesundheit" und 7. Internationaler Kongress der österreichischen, deutschen und schweizer Fachgesellschaften für Gesundheits- und Medizinsoziologie vom 26.-28. März 2009 in Halle (Saale). Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 8 (1), 70-82.
  • Böggemann, M., Kaspar, R., Bär, M., Berendonk, C., Kruse, A., & Re, S. (2008). Positive Erlebnisräume für Menschen mit Demenz: Ein Ansatz zur Förderung von Lebensqualität im Rahmen individuenzentrierter Pflege. In D. Schaeffer, J. Behrens & S. Görres (Eds.), Optimierung und Evidenzbasierung pflegerischen Handelns. Ergebnisse und Herausforderungen der Pflegeforschung. Weinheim: Juventa.
  • Bär, M., Böggemann, M., Kaspar, R., Re, S., Berendonk, C. & Seidl, U. (2006). Demenzkranke Menschen in individuell bedeutsamen Alltagssituationen. Erste Ergebnisse eines Projekts zur Förderung der Lebensqualität durch Schaffung positiver Anregungsmöglichkeiten. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 39, 173–182.
  • Böggemann, M., Bär, M., Kruse, A., Kaspar, R., Re, S., Seidl, U. & Berendonk, C. (2006). Individuelle Zuwendung kann kein zufälliges Beiwerk sein. Ergebnisse einer Interventionsstudie zur Pflege dementer Menschen. Pflegezeitschrift, 59, 366–368.

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Kurzlebenslauf

1999 - 2002    Ausbildung zur staatl. anerkannten Altenpflegerin am bfw in Stuttgart
2003 - 2006 Diplomstudiengang Pflege und Gesundheit an der Hochschule Fulda mit dem Abschluss Diplom-Pflegewirtin (FH)
8/2006 - 7/2007  Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg, Projekt DEMIAN (DEmenzkranke Menschen in Individuell bedeutsamen AlltagssituationeN)
8/2007 - 2/2010 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gerontologie, Projekt DEMIAN
10/2002 - 3/2009 Aushilfstätigkeit in zwei Altenpflegeheimen (Raum Stuttgart und Heidelberg)
seit 3/2010 Stipendiatin des Graduiertenkollegs Demenz
seit 8/2014 Projektkoordinatorin, Knowledge Utilization Studies Program (KUSP), Faculty of Nursing, University of Alberta, Kanada

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Letzte Änderung: 27.07.2015